Kategorie-Archiv: Lobbies

Staat beschönigt Tierhaltung für Schulen

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) hat drei Pockethefte  herausgegeben, die Informationen über die Nutztierhaltung vermitteln und u.a. an Schulen zum Einsatz kommen sollen. Die drei Hefte „So leben Milchkühe“, „So leben Schweine“und „So leben Hühner“ vermitteln laut Pressemitteilung des BZL „kurz und kompakt interessante sowie überraschende Fakten über Nutztiere und deren Haltung. Auch wirtschaftliche Zwänge, rechtliche Vorgaben und aktuelle Herausforderungen in der Tierhaltung werden thematisiert.“

Tatsächlich kommen in den Broschüren einige oft kritisierte Praktiken zur Sprache: Das Töten der männlichen Küken in der Eierwirtschaft, das kurze Leben der Masthühner, die Beschäftigungslosigkeit der Schweine oder das Ausbrennen der Hörner bei Kälbern werden angesprochen. Trotzdem findet aber insgesamt eine starke Beschönigung statt: Die Broschüren blenden einige problematische Aspekte aus, bedienen klassische Mythen über die Nutztierhaltung und setzen einseitige Schwerpunkte.

Hier sind einige Beispiele.

„So leben Milchkühe“

Hier und in der ganzen Broschüre wird die Trennung von Kuh und Kalb, die in so gut wie allen Milchbetrieben kurz nach der Geburt des Kalbes stattfindet, glatt unterschlagen. Es stimmt auch nicht, dass das Kalb quasi „seinen“ Teil der Milch bekommt und der Rest verkauft wird. Das Kalb bekommt im Normalfall nur ganz zu Beginn die so genannte „Biestmilch“, die die Kuh direkt nach der Kalbung bildet. Danach wird alle Milch verkauft – genau deshalb werden ja Kühe und Kälber getrennt.

Unterschlagen wird natürlich auch, dass die Milchmenge durch die Züchtung beeinflusst ist, und dass die Kühe nicht einfach so wieder trächtig werden, sondern durch gezielte künstliche Befruchtung, die genau zum wirtschaftlich sinnvollsten Zeitpunkt stattfindet. Stattdessen wird suggeriert, es handele sich bei all diesen Vorgängen um natürliche Prozesse.

Hier wird der Mythos bedient, dass das Wohlbefinden der Tiere eine Bedingung für die erfolgreiche Produktion sei. Das ist falsch. In bestimmten Hinsichten ist natürlich zum Beispiel die Gesundheit der Tiere relevant, aber auch die ist nur ein Faktor ein einer umfassenden Kalkulation. So sind zum Beispiel Klauen- und Euterkrankheiten in der Milchwirtschaft weit verbreitet. Entscheidend ist, dass sie nicht den Schweregrad und die Verbreitung in einer Herde erreichen, dass sie wirtschaftlich problematisch werden. Je nach sonstigen Kosten können und müssen sie in gewissem Maß in Kauf genommen werden. Auch Kühe, die in Anbindehaltung sich nicht bewegen können, geben noch Milch. Das sind biologische Prozesse, die zudem durch Züchtung manipuliert wurden. Und was soll es überhaupt heißen, dass Kühe „gern Milch geben“?

Außerdem wird in der Broschüre vom Tierschutzgesetz und der Tierschutznutztierhaltungsverordnung geschwärmt, die den Umgang mit Tieren regeln würden. „Weiterhin gibt es Verordnungen zum Schutz von Tieren beim Transport sowie im Zusammenhang mit ihrer Schlachtung.“ Wie oft es zu Leiden beim Transport sowie zu Fehlbetäubungen und krassen Schmerzen bei der Schlachtung kommt – gut belegt u.a. durch Undercover-Aufnahmen aus dem letzten Jahr -, wird natürlich nicht erwähnt. Auch nicht, dass „Milchkühe“ im Durchschnitt im Alter von weniger als sechs Jahren getötet werden, obwohl sie zwanzig Jahre alt werden können.

Die Broschüre stellt schließlich die Verantwortung der Verbraucher*innen beim Einkauf heraus, ohne aber auf die Möglichkeit zu berücksichtigen, den Milchkonsum einzuschränken oder aufzugeben, und ohne die Alternativen in Form von pflanzlichen Milcharten aufzuzeigen.

„So leben Schweine“

Die Broschüre über Schweine zeigt eine Außenhaltung von Schweinen, wahrscheinlich Biohaltung. Der Anteil von Schweinefleisch aus Biohaltung am in Deutschland verkauften Fleisch beträgt unter 2 %. Dass ein so wenig repräsentatives Bild als Titel fungiert, ist selbst schon eine Beschönigung. In den Texten wird dann immerhin klar, dass Schweine viele Verhaltensbedürfnisse in der üblichen Haltung nicht ausleben können. Allerdings wird dann zum Beispiel von „zukunftsorientierten Ställen“ geschrieben, die darin schon besser seien.

Außerdem heißt es dann weiter hinten in der Broschüre:

Unklar bleibt natürlich, wie es Schweinen auf 0,75 qm pro Tier gut gehen soll. Hängen bleibt aber bei Leser*innen wiederum: Es gibt ein paar Herausforderungen, aber grundsätzlich ist alles in Ordnung.

Beim Vergleich von Biohaltung und konventioneller Haltung wird nicht gesagt, wie groß der vorgeschriebene Auslauf tatsächlich ist, nämlich 1 qm pro Schwein. Stattdessen wird durch die Bebilderung so getan, als handele es sich um eine Wiese dieser Art:

Die mehrwöchige Kastenstandshaltung der Sauen, das Töten der Ferkel oder die verbreiteten Krankheiten aufgrund von Gestank, Enge und Stress werden ebenso wenig in der Broschüre erwähnt wie die Realität bei der Schlachtung. Stattdessen heißt es wieder:

Von Umweltproblemen durch Gülle oder den Bedarf an Futtermitteln ist nicht die Rede.

„So leben Hühner“

Die Broschüre zur Hühnerhaltung stellt gut dar, wie heutige Hühner durch Züchtung zu den gewünschten hohen Leistungen gebracht wurden. Ebenfalls wird nicht unterschlagen, wie kurz sie leben – das Kükentöten kommt ebenso vor wie das Töten der Legehennen nach der ersten Legeperiode sowie die Tatsache, dass Masthühner nur wenige Wochen alt werden. Beim Kükentöten wird natürlich gleich hinzugefügt, dass an der Geschlechtserkennung im Ei und an den „Zweinutzungshühnern“ eifrig geforscht wird.

Der Schwerpunkt liegt in dieser Broschüre auf bemerkenswerten Eigenschaften und Fähigkeiten der Hühner: Dass sie gerne im Sand baden, dass sie mit dem Magen kauen und am liebsten hoch auf Ästen oder Stangen schlafen. Dabei wird allerdings gar nicht klar, wie wenig Hühner diese Eigenschaften in der normalen Haltung ausleben können.

Außerdem spricht die Broschüre das Schnabelkürzen an und betont, dass das mittlerweile nicht mehr gemacht wird. Inwieweit jetzt eben verstärkt Verletzungen auftreten, kommt nicht vor – stattdessen wird so getan, als ob durch die Fürsorge des Tierhalters alle Probleme beseitigt würden.

Zuletzt geht die Broschüre noch auf das Thema Antibiotika ein und sagt: „Den Regeln zufolge dürfen Antibiotika nur verwendet werden, wenn es absolut notwendig ist.“ Daraus wird natürlich nicht klar, wie viele Antibiotika wie oft tatsächlich zum Einsatz kommen.

Fazit

Diese Broschüren zeigen einmal mehr, wie stark die staatlichen Stellen die Interessen einer bestimmten Wirtschaftsbranche vertreten: Anstatt das große Leid der Tiere und auch die Klima- und Umweltfolgen der Nutztierhaltung ernsthaft zu thematisieren, verharmlosen und beschönigen sie die Realität. Zwar nennen sie einige kritische Aspekte, tun aber oft so, als ob daran schon eifrig gearbeitet würde und Verbesserungen in naher Zukunft erreicht würden. Zugleich lassen sie wichtige problematische Aspekte weg und bedienen verharmlosende Mythen über die Tierhaltung.

Wenn diese Broschüren zum Beispiel an Schulen eingesetzt werden, kommt das somit einer einseitigen Beeinflussung der Schüler*innen zugunsten der Tierindustrie gleich. (Diese passiert natürlich schon jetzt und teils mit noch viel einseitigerem Material zum Beispiel von information.medien.agrar, einem vom Bauernverband selbst getragenen Verein.)

Es bleibt nur zu hoffen, dass Lehrkräfte das durchschauen und sie nicht verwenden bzw. durch andere Darstellungen ergänzen.

(Und etwas Werbung in eigener Sache: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Nutztierhaltung ermöglicht der Verein Mensch Tier Bildung e.V. mit Workshops und Projekttagen an Schulen.)

Links:

 

Echte Fake News: Keine Konkurrenz von Trog und Teller

Fake News“ ist ja oft ein Kampfbegriff ohne viel Inhalt, aber hier trifft er mal genau zu: Agrarmedien verbreiten Falschmeldungen in eigenem Interesse und korrigieren nicht. Im Oktober veröffentlichte die Welternährungsorganisation eine neue Studie zur Frage, ob die Fütterung von Nutztieren eine Verschwendung von Ressourcen darstellt, die auch für die direkte menschliche Ernährung genutzt werden kann. Obwohl die Ergebnisse differenziert sind, titelten mehrere Agrarmedien und Lobbyorganisationen eindeutige – und dabei falsche – Botschaften.

Topagrar-Artikel
Pressedienst vom Bayerischen Bauernverband
Website „Frag doch mal den Landwirt!“
Rheinischer Landwirtschafts-Verband
Proplanta – Informationszentrum für die Landwirtschaft

Die Menge an Unrichtigkeit variiert dabei:

  • Eine glasklar falsche Zahlenangabe macht Topagrar, das wichtigste Agrarmedium, offenbar übernommen aus einer Agenturmeldung von Agra Europe: Sie schreiben, nur 13 % der globalen Getreideernte flössen in die Fleischproduktion. Dabei steht in der Studie wörtlich und ganz am Anfang, dass es ein Drittel sind. Auch über Facebook verbreitete sich der Artikel von Topagrar in der Agrarszene – allein dieser Artikel wurde 150 mal geteilt.  In Kommentaren haben ich und andere mehrfach auf den Fehler hingewiesen, die Meldung wurde jedoch nicht korrigiert. Als ich per Mail an die Redaktion um Richtigstellung bat und mit einer Beschwerde beim Deutschen Presserat drohte, wurde der Artikel auf der Website gelöscht – anstatt richtiggestellt, wie der Pressekodex fordert. Bei der Suche auf Topagrar findet man den Teaser noch immer, auch der Facebookpost inklusive falscher Zahl blieb unverändert bis heute. Die Meldung ist auf diesem Weg natürlich in zahlreichen anderen Medien gelandet. Auch Proplanta und der Rheinische Landwirtschaftsverband übernimmt die 13 %. Ich habe dann am 14. November die Beschwerde gegen Topagrar beim Presserat eingereicht und warte noch auf die Entscheidung.
  • Die Gesamtinterpretation der Studie stimmt nicht: Die Studie besagt mitnichten, dass es keine Konkurrenz zwischen Futtermittel- und Nahrungsmittelproduktion gibt. Erstens lautet das explizite Fazit der Studie anders: „These results allow to nuance the severity of the feed/food competition that is often put forward.“ Das Ergebnis ist also, dass die Schwere der Konkurrenz differenzierter zu betrachten ist bzw. dass die Konkurrenz weniger schwerwiegend sei, als oft behauptet wird. Nirgendwo wird behauptet, dass es keine Konkurrenz gibt. Zweitens stellt die Studie im Gegenteil klar, dass zur Zeit eine Menge Land zur Futtermittelproduktion genutzt wird, wo auch menschliche Nahrungsmittel angebaut werden könnten – das gilt sogar für einen Teil des vielbeschworenen Weideland. Auch die Zahl 86%, die von Agrarseite so gefeiert wird, ist anders zu bewerten: Zur Zeit sind 86% der Futtermittel nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Das liegt aber in vielen Fällen daran, dass sie extra für Tiere angebaut wurden – und man könnte natürlich auch etwas anderes anbauen.

Sehr fundierte Kritiken der Fehlinterpretation mit weiteten Informationen und Bewertungen wurden jetzt von Germanwatch und von der Albert-Schweitzer-Stiftung verfasst. Vielen Dank dafür!

Das alte Problem der Fake News bleibt allerdings: Die Richtigstellung verbreitet sich weit weniger als und nicht in denselben Kreisen wie die Falschmeldung. Und so bleibt die Falschmeldung in der Welt und wird auch immer wieder in Kommentaren zur Argumentation verwendet … Vielleicht hat es daher Sinn, nochmal alle Medien, wo sie auftauchte, zur Richtigstellung aufzufordern und ggf. Beschwerden einzureichen? Eine Sisyphusarbeit und damit wohl ein Lehrstück über Fake News …

Update: Auf die Intervention des Presserates hin hat Topagrar die Meldung korrigiert. Sanktionen erfolgten nicht.

 

Leserbrief zu Werbung an Schulen

Bild Peta ArtikelAm 11. September erschien in der shz-Landeszeitung ein Artikel über die Verschickung von Infomaterial an Schulen durch die Tierschutz-/Tierrechtsorganisation PETA. Dazu habe ich einen Leserbrief verfasst. Außerdem habe ich dem Bildungsministerium geschrieben, das im Artikel mit den Worten zitiert wurde, es sei alarmiert und würde den Vorgang rechtlich und fachlich prüfen. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie im Falle einer Prüfung auch das Material der „Gegenseite“, nämlich des Bauernverbandes, unter die Lupe nehmen müssten, wie ich das auch im Leserbrief empfehle. Bin gespannt, ob und was sie antworten. Hier der Leserbrief an die Zeitung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel „Bloß kein Tier auf dem Teller: Peta wirbt an Schulen für vegane Ernährung“. Ich kann die Sorge verstehen, dass Kinder ideologisch beeinflusst werden, und die Auszüge aus den Info-Materialien von Peta klingen auch nicht nach neutraler Information. Ich möchte aber dreierlei zu bedenken geben:

1. Dass Tiere in heutigen Tieranlagen massiv leiden, lässt sich nicht vernünftig leugnen. Auch dass z.B. Kälber von ihren Müttern getrennt werden und das für sie negative Folgen hat, ist kaum abzustreiten. Ebenso klar ist, dass der Fleisch- und Tierproduktkonsum Umwelt und Klima schädigt. Vor diesem Hintergrund ist eine Verringerung des allgemeinen Tierproduktkonsums im Interesse aller – Menschen und Tiere – dringend geboten.

2. Was die Gesundheit betrifft, so kommt z.B die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung, die weltgrößte Ernährungsorganisation, zu einer anderen Einschätzung als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – eine gut geplante vegane Ernährung ist demnach für alle Lebensphasen geeignet. (Sie schrieben von „Fachverbänden“ – welche anderen Verbände als die DGE waren gemeint?) Umgekehrt ist wichtig zu sehen, dass viele Krankheiten heute mit hohem Tierproduktkonsum verbunden sind, der vielen Kindern im Elternhaus und auch durch die Schule und das übliche Kantinenessen angewöhnt wird. Da wird eben nicht nur gelegentlich eine Frikadelle serviert, wie Sie unter der Hand nahelegen.

3. Wenn Sie die PETA-Materialien bedenklich finden, sollten Sie sich bitte auch die Materialien der „Gegenseite“ anschauen, auf die im Artikel recht unkritisch Bezug genommen wird: „Kooperationen mit dem Bauernverband“. Die Schulmaterialien vom Verein medien.information.agrar (i.m.a.), der vom Bauernverband getragen wird, sind nachweisbar beschönigend und enthalten Falschaussagen. Es wird ein rosiges Bild der Tierhaltung gezeichnet und das Leiden der Tiere und andere negative Effekte der Tierproduktion schlicht unterschlagen. Auf dieser Grundlage können die Schüler*innen vielleicht Interesse an der Landwirtschaft, aber keine begründete Meinung dazu bilden.
In einem Schulplakat über Schweinehaltung heißt es z. B. über die konventionellen Stallabteile: „In den großen Buchten haben sie [die Schweine] genügend Platz.“ Dabei sind die Buchten nur 0,75 qm pro Schwein bis 110 kg groß und die Schweine können eine Vielzahl natürlicher Bedürfnisse dort nicht ausleben, wie auch der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltung feststellt. Das Leben in dieser Enge ist für die empfindsamen und neugierigen Tiere eine Qual. Weitere Beispiele für Beschönigung im i.m.a.-Schulmaterial finden Sie u.a. hier: http://agrarlobby.de/verbaende/bauernverband/i-m-a/

Bitte berichten Sie doch auch einmal über diese einseitige Beeinflussung von SchülerInnen!

Mit freundlichen Grüßen
Friederike Schmitz

Marsmenschen lesen top agrar

… ugreen-163507_960_720nd wundern sich, wie seltsam unsere Gesellschaft organisiert ist.

Demokratie heißt, so haben die Marsmenschen bei ihrem letzten Besuch auf der Erde erzählt bekommen, dass die Menschen selber bestimmen, wie sie zusammenleben und wichtige Dinge gemeinsam regeln wollen. Jetzt lesen die Marsmenschen die Landwirtschaftszeitung top agrar, Printausgabe vom Ende September, und sind verwirrt. Schon im Editorial geht es los. Da heißt es, eine Ministerin habe Vorschläge für die Agrarpolitik gemacht, die nicht allen Leuten gefallen. Wenn die SPD-Frau sich durchsetzt, so wären die Folgen klar, steht da:

„Wir hätten dann landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Tiere so hielten und ihr Getreide so anbauten, wie sich das die Verbraucher erträumen.“p1060471

Moment mal, denken die Marsmenschen – zur Zeit ist das also nicht der Fall? „Wir haben Akzeptanzprobleme beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung.“ Das ist doch komisch. Sie müssen bei der Erklärung der Demokratie etwas missverstanden haben, denken die Marsmenschen. Marsmenschen lesen top agrar weiterlesen

Alternativen statt Lösungen! Rezension

auskontrolliertemraubbau2Kathrin Hartmanns Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ beginnt mit der Beschreibung einer Realsatire: Der Deutsche Nachhaltigkeitstag im Jahr 2013. Die Industrie feiert sich selbst für Umweltschutz und Ressourcenschonung – begleitet von einem Showprogramm mit aus den USA eingeflogenen Stars und einem Festessen, das ausschließlich aus Fisch und Fleisch besteht.  Unter den Gästen wie den Sponsoren sind zahlreiche Großkonzerne, die nicht gerade für ihr Öko-Engagement bekannt sind – Unternehmen wie Bayer, BMW, Coca-Cola, Henkel, Lufthansa, Siemens oder Unilever. Diese Unternehmen verdienen Geld durch gigantischen Verbrauch von Ressourcen und Energie im Rahmen des kapitalistischen Wachstumsmodells, das bis heute in Politik und Wirtschaft unhinterfragtes Dogma ist, ungeachtet all der fundierten Kritik daran. Alternativen statt Lösungen! Rezension weiterlesen

Rosa Brillen für den Bauernverband

Von Empörung zu Aktionen

Im Vorfeld der großen Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche” haben AktivistInnen der Gruppe „Grüne Woche demaskieren!” den Deutschen Bauernverband mit dem Negativpreis „Rosa Brille 2015″ ausgezeichnet. Ausgerüstet mit rosafarbenen Pappbrillen, Transparenten, Schildern und Flugblättern demonstrierten etwa 30 AktivistInnen vor dem Sitz des Bauernverbandes in Berlin-Mitte.

Der Justiziar des Verbandes nahm den Preis in Form einer rosa angesprühten Sonnenbrille auf einem Samtkissen entgegen. In Hannover überreichten gegen 9 Uhr am selben Morgen sieben Tierbefreiungs-AktivistInnen eine Rosa Brille an den Geschäftsführer des Landvolks Niedersachsen.

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Während diese Aktionen selbst vor allem witzig sind – ich war als Mitglied der Gruppe „Grüne Woche demaskieren!” an der Planung und Durchführung in Berlin beteiligt und wir haben in allen Phasen viel gelacht – ist der Hintergrund doch ein sehr ernster: Wir sind erschüttert und angewidert im Angesicht der brutalen Ausbeutung von Tieren in der gegenwärtigen Agrarindustrie.

Wir kennen die Bedingungen in den Ställen. Wir wissen von den Verletzungen, Krankheiten, Verhaltensstörungen, Leiden und Schmerzen der Millionen Rinder, Schweine, Hühner und anderen Tiere, die zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern benutzt werden. Dass all diese neugierigen, sozialen und empfindsamen Tiere überhaupt ihr ganzes Leben in so tristen und elenden Umständen verbringen müssen, nur um dann gewaltsam getötet werden, macht uns traurig und oft verzweifelt. Es macht uns auch wütend. Rosa Brillen für den Bauernverband weiterlesen

Friede, Freude, Spaltenboden – Das schmutzige Geschäft auf der Messe EuroTier

[Der Artikel ist am 17.11.2014 in der Online-Zeitung Huffington Post erschienen.]

Auf der weltgrET 08ößten Fachmesse für Nutztierhaltung, der EuroTier in Hannover, konnte man vergangene Woche nicht nur erleben, wie weitgehend Tiere in der modernen Fleisch-, Milch- und Eierindustrie als bloße Waren und Maschinen angesehen und behandelt werden. Sondern auch, welchen Aufwand die Industrie betreibt, um genau dies zu verschleiern. Friede, Freude, Spaltenboden – Das schmutzige Geschäft auf der Messe EuroTier weiterlesen

Weidehaltung torpediert Moorschutz

Es wird ja gern behauptet, die Weidehaltung von Rindern sei eine besonders ökologische Weise der Landnutzung. Die neue top agrar (11/2014, S. 50f.) zeigt auch andere Seiten: In Niedersachsen wehren sich gerade LandwirtInnen, insbesondere von Milchbetrieben, gegen die Ausweisung von Vorranggebieten für den Moorschutz, weil sie dadurch ihre Existenz bedroht sehen. Weidehaltung torpediert Moorschutz weiterlesen