Rosa Brillen für den Bauernverband

Von Empörung zu Aktionen

Im Vorfeld der großen Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche” haben AktivistInnen der Gruppe „Grüne Woche demaskieren!” den Deutschen Bauernverband mit dem Negativpreis „Rosa Brille 2015″ ausgezeichnet. Ausgerüstet mit rosafarbenen Pappbrillen, Transparenten, Schildern und Flugblättern demonstrierten etwa 30 AktivistInnen vor dem Sitz des Bauernverbandes in Berlin-Mitte.

Der Justiziar des Verbandes nahm den Preis in Form einer rosa angesprühten Sonnenbrille auf einem Samtkissen entgegen. In Hannover überreichten gegen 9 Uhr am selben Morgen sieben Tierbefreiungs-AktivistInnen eine Rosa Brille an den Geschäftsführer des Landvolks Niedersachsen.

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Während diese Aktionen selbst vor allem witzig sind – ich war als Mitglied der Gruppe „Grüne Woche demaskieren!” an der Planung und Durchführung in Berlin beteiligt und wir haben in allen Phasen viel gelacht – ist der Hintergrund doch ein sehr ernster: Wir sind erschüttert und angewidert im Angesicht der brutalen Ausbeutung von Tieren in der gegenwärtigen Agrarindustrie.

Wir kennen die Bedingungen in den Ställen. Wir wissen von den Verletzungen, Krankheiten, Verhaltensstörungen, Leiden und Schmerzen der Millionen Rinder, Schweine, Hühner und anderen Tiere, die zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern benutzt werden. Dass all diese neugierigen, sozialen und empfindsamen Tiere überhaupt ihr ganzes Leben in so tristen und elenden Umständen verbringen müssen, nur um dann gewaltsam getötet werden, macht uns traurig und oft verzweifelt. Es macht uns auch wütend.

Es ist nicht leicht zu sehen, was der Einzelne zur Verbesserung der Lage tun kann. Einerseits sind die Ursachen für die gegenwärtige Situation sehr vielschichtig. Althergebrachte Vorstellungen von der Minderwertigkeit von Tieren, kapitalistische Marktmechanismen, politische Rahmenbedingungen, fehlende direkte Einflussmöglichkeiten von BürgerInnen und viele weitere Faktoren spielen eine Rolle.

Darüber hinaus sind die Kräfte, die am Status Quo verdienen und alles dafür tun, grundsätzliche Veränderungen zu verhindern, außerordentlich mächtig. Daraus ergibt sich oftmals ein Gefühl der Ohnmacht – und auch eine Fokussierung auf das eigene Konsumverhaltens in der Hoffnung, dass man damit immerhin einen echten Einfluss auf die Produktion ausüben kann.

2015-01-15-IMG_8619_RGB_300dpi-thumbWir wollten uns damit nicht zufrieden geben. Natürlich ist es gut, der Tierindustrie die eigene finanzielle Unterstützung als Konsumentin zu entziehen. Man kann aber mehr tun. Zumindest auf manche der relevanten Faktoren kann man gezielt Einfluss nehmen.

In den letzten Jahren hat  die öffentliche Kritik an der Tierhaltung kontinuierlich zugenommen. Immer neue Skandalbilder aus den Ställen bringen die Agrarindustrie in Bedrängnis. Denn letztlich hängt ihr Erfolg von der öffentlichen Akzeptanz ab – nicht nur im Hinblick auf den Konsum, sondern auch politisch und lokal.

Das ist der Grund, warum die Lobbyverbände wie der Bauernverband in vielfältige Marketingmaßnahmen investieren. Ein „ErlebnisBauernhof” auf der Grünen Woche, eine Flut von ideologischen Lehrmaterialien für Schulen, eine „Tierwohl-Initiative”, die mit dem Wohl von Tieren fast nichts, dafür aber mit dem Wohl der Tierindustrie sehr viel zu tun hat.
2015-01-15-IMG_9492-thumbDiese Propaganda der Tierindustrie, die Verharmlosung der Gewalt gegen Tiere, die finanzkräftige Verbreitung eines ideologischen Bilds vom Tier als Ware und Ressource löst bei uns ebenfalls Empörung und Wut aus.

Beim politischen Aktivismus geht es nun darum, bei der Empörung und Wut nicht stehen zu bleiben, sondern diese umzusetzen in Handlungen. Das Ziel von „Grüne Woche demaskieren!” ist, die Werbemaschinerie der Grünen Woche durch kreative und bunte Aktionen zu stören – und so Menschen zum Nachdenken und idealerweise zum Umdenken anzuregen.

Das Beispiel der Rosa-Brille-Aktion zeigt, dass politischer Aktivismus viel leichter ist, als einige denken – man braucht dafür keine große Organisation im Rücken, man braucht nicht viel Geld und auch keinen besonderen Mut. Was man braucht, sind Ideen und etwas freie Zeit.

Für die Rosa-Brille-Aktion haben wir über die Werbestrategien des Bauernverbands recherchiert und unsere Erkenntnisse in einem Flyer und Homepage-Texten verarbeitet. Wir haben eine Kundgebung angemeldet und eine Presseeinladung geschrieben. Dann haben wir rosa Brillen gebastelt, ein Transparent entworfen, einige Schilder gemalt und Leute zum Mitmachen aufgefordert. Viel mehr braucht es nicht.

2015-01-15-IMG_9456-thumbNatürlich haben wir durch diese Aktion nicht die Nutztierhaltung ins Wanken gebracht. Wir haben nur einen winzigen Stein ins Getriebe der Meinungsmache der Lobbyverbände geworfen. Wir sind aber davon überzeugt, dass es mittelfristig auf solche Steine ankommt – dass aus vielen kleinen und größeren Aktionen eine starke soziale Bewegung erwachsen kann, die gesellschaftlich wirklich etwas verändern kann.

Deshalb ist das hier auch ein Aufruf: Werdet aktiv! Seid nicht nur empört, verwandelt eure Empörung in Aktionen. Verändert nicht nur euer Konsumverhalten, unterschreibt nicht nur Petitionen, geht nicht nur auf Demos, sondern realisiert eigene Ideen – es ist leichter als gedacht und macht Spaß!

Presseartikel zur Rosa-Brille-Aktion:

Mehr zur Rosa-Brille-Aktion auf gruene-woche-demaskieren.de.

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