Kategorie-Archiv: Tierversuche

Neues Buch: Tierethik kurz + verständlich

tierethik cover komplett_finalMein neues Buch ist ab heute als E-Book verfügbar und erscheint als Taschenbuch am Montag (4.9.2017) bei compassion media. Hier der Klappentext:

Gehören alle Schlachthöfe abgeschafft? Spricht etwas dagegen, sich einen Hund zu kaufen? Ist es richtig, an Mäusen Medikamente zu testen?

Die Meinungen zum richtigen Umgang mit Tieren gehen weit auseinander. Die Gründe für die unterschiedlichen Positionen untersucht eine eigenständige philosophische Disziplin: die Tierethik.

In dieser verständlichen Einführung schildert die Philosophin Friederike Schmitz die jüngste Entwicklung der Debatte und erklärt die Argumente zu den wichtigsten praktischen Fragen. Das Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich systematisch und aus ethischer Perspektive mit unserem Umgang mit Tieren beschäftigen möchten.

Weitere Infos gibt es hier!

 

Debattenbeitrag im Schwäbischen Tagblatt

Folgender Text von mir ist letzten Mittwoch im Schwäbischen Tagblatt auf einer Doppelseite zu den Tübinger Affenversuchen erschienen. Daneben gab es zwei Artikel zur Verteidigung der Experimente von Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Deutschland, und Hans-Peter Thier, Vorsitzender des CIN Tübingen.

Ethisch nicht begründbar

Das Erschreckende ist eigentlich, dass über die Affenversuche in Tübingen überhaupt noch diskutiert wird. Wir haben doch die Bilder aus den Laboren gesehen, wir haben doch gelesen, was mit den Affen am Max-Planck-Institut geschieht. Wir wissen doch alle, dass dort hochempfindsame Lebewesen in kleinen Käfigen leben, dass ihnen die Schädel aufgebohrt werden, dass sie stundenlang an Kopf und Hals fixiert werden, dass sie an operationsbedingten Verletzungen leiden. Ist es nicht offensichtlich, dass all das ein schreckliches Unrecht ist? Wie kann man die Recherche-Bilder anschauen und nicht innerlich zusammenschauern? Wie kann man daraus nicht die Konsequenz ziehen, dass diese Versuche sofort aufhören müssen?

In der gegenwärtigen Gesellschaft ist eine solche Konsequenz leider nicht offensichtlich. Stattdessen wird das Spiel der Gründe und Rechtfertigungen gespielt, das Spiel der politischen Debatte. Das ist in diesem Fall kein Zeichen von demokratischer Kultur. Diese macht es vielmehr aus, dass bestimmte Grundwerte eben nicht bezweifelt werden. Dass über die Affenversuche in Tübingen überhaupt diskutiert wird, ist vielmehr ein Zeichen dafür, wie groß die Macht der Tierversuchslobby ist. Debattenbeitrag im Schwäbischen Tagblatt weiterlesen

Leserbrief zu Tübinger Affenversuchen

Als Aleserbrief tagblatt neuntwort auf die Stellungnahmen zweier Tübinger PhilosophInnen im Schwäbischen Tagblatt zu den Affenversuchen habe ich folgenden Leserbrief verfasst, der am 7.10. im Tagblatt erschienen ist.Die Beitrage von Eve-Marie Engels und Otfried Höffe sind hier und hier zu finden.

Realitätsfern

Die Beiträge von Eve-Marie Engels und Otfried Höffe zur Tierversuchsdebatte haben mich wütend gemacht. Indem sie scheinbar differenziert die Argumente beider Seiten aus ethischer Sicht erwägen, drücken sie sich um eine klare Positionierung und tragen so zur Legitimierung der Affenversuche bei.

Dabei gehen weder Engels noch Höffe auf die eigentlich zentrale ethische Frage ein, ob Tierversuche überhaupt ethisch zu rechtfertigen sind. Ohne Argument setzen sie voraus, dass Tiere zu unseren Zwecken geschädigt werden dürfen – man müsse nur sorgfältig abwägen und schonend vorgehen. Tatsächlich gibt es keine Rechtfertigung dafür, fühlende Individuen zu unseren Zwecken zu quälen.

Abgesehen von diesem grundsätzlichen Punkt, sind beide Beiträge rettunglos realitätsfern. Forderungen nach Alternativenforschung und Abwägung sind fromme Wünsche in Anbetracht der Geldverteilung, der üblichen Genehmigungspraxis und der Macht der Institutionen. Und zeigen nicht gerade die Tübinger Affenversuche, wie es tatsächlich läuft? Massives Leiden, ungewisser Nutzen: anything goes. Was für eine Abwägung vollziehen Engels und Höffe, wenn sie noch nicht mal bereit sind, diese Versuche klar zu verurteilen?

Die Affen leiden jetzt in diesem Moment. Die Labore sind der Ort, wo die Gewalt stattfindet, nicht etwa die Demonstrationen. Eigentlich müsste man die Affen sofort da rausholen – was mich davon abhält, sind die praktische Schwierigkeit und die drohende staatliche Repression. Aber das Mindeste, was in Anbetracht der offensichtlichen Gräuel in den Tübinger Laboren zu fordern ist, sind klare Positionierungen: Die Versuche müssen aufhören, und zwar sofort!

Müssen Tierversuchsgegner*innen die Schulmedizin boykottieren?

220px-wistar_ratLetztens hat ein Bekannter von mir, der selbst bei Tierversuchen in der Krebsforschung mitarbeitet, diese seine Tätigkeit mit folgendem Argument zu rechtfertigen gesucht:

“Weder ich noch Du noch sonst ein nennenswerter Teil der Bevölkerung wären bereit, im Falle eigener Krankheit oder Krankheit eines Angehörigen auf lebensrettende medizinische Maßnahmen zu verzichten aus dem Grund, dass diese mithilfe von Tierversuchen entwickelt wurden. Damit stimmen ich, Du und fast alle Menschen der Entwicklung der Medizin mithilfe von Tierversuchen zu; also kann ich mich auch selbst an dieser Entwicklung beteiligen.”

Stimmt das? Angenommen, man ist nicht bereit, die Schulmedizin komplett zu boykottieren — denn alle Medikamente und so gut wie alle anderen medizinischen Maßnahmen wurden zu irgendeinem Zeitpunkt an Tieren ausprobiert — stimmt man damit Tierversuchen zu? Dürfte man sich also als konsistente*r Tierversuchsgegner*in unter keinen Umständen von der Schulmedizin helfen lassen? Müssen Tierversuchsgegner*innen die Schulmedizin boykottieren? weiterlesen