Klimakrise: Raus aus der Komfortzone

Warum ich mit Extinction Rebellion Brücken blockieren will

Ich falle, wie wohl die meisten Menschen, nur sehr ungern unangenehm auf. Mir ist es peinlich, wenn jemand meinetwegen warten muss, weil ich an der Supermarktkasse meinen Geldbeutel nicht finde. Vor ein paar Jahren, ich war gerade überzeugte Tierrechtlerin geworden, habe ich mir eine Menge Aufkleber bestellt in Form eines Warnetiketts wie bei Zigaretten: „Achtung, Produkt aus Tierquälerei“. Die wollte ich auf Fleischpackungen und Speisekarten kleben. Das Problem: Obwohl ich das eine total sinnvolle Aktion fand, habe ich es fast nur dann tatsächlich geschafft, wenn ich mich völlig unbeobachtet wusste – was im Supermarkt oder auf der Straße vor Restaurants kaum vorkommt. Zu sehr habe ich mich vor missbilligenden oder verächtlichen Blicken der Vorbeilaufenden gefürchtet.

Nächste Woche will ich mich in Berlin auf eine große Brücke setzen und mit vielen anderen im Rahmen der Bewegung Extinction Rebellion den Straßenverkehr blockieren. Einige Leute, die schnell von A nach B wollen, werden sich darüber ziemlich ärgern. Was ja gut verständlich ist. Es wird eine Menge missbilligende und sicher auch verächtliche Blicke regnen. Das werde ich in Kauf nehmen. Ebenso wie das Risiko, von der Polizei unsanft weggetragen und auf eine Wache gebracht zu werden und später Briefe mit einem Bußgeld oder gar einem Strafbefehl zu bekommen. Wieso?

Die Unbequemlichkeit, die wir am nächsten Montag verursachen werden, ist bedauerlich, aber wirklich fast lachhaft im Vergleich dazu, was in den nächsten Jahrzehnten durch den Klimawandel und die ökologische Krise auf uns alle zukommt. Die Dürren, Unwetter und Überschwemmungen, die wir jetzt schon überall auf der Welt erleben, sind ja erst der Anfang. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird es noch viel, viel schlimmer. Es gibt eigentlich nichts Wichtigeres, als dass wir uns als Gesellschaft dieser Krise stellen und Maßnahmen ergreifen, sie zumindest zu bremsen. Und damit das passiert, reicht es einfach nicht mehr, Petitionen zu unterschreiben, Flyer zu verteilen oder zu demonstrieren. Wir müssen die Regeln brechen, wir müssen unbequem werden. Es ist sonst zu leicht – zu bequem – die Realität zu ignorieren.

Tatsächlich habe ich das selbst lange getan. Obwohl der Klimawandel seit Jahren für mich ein Thema ist – ich habe aufgehört zu fliegen, mich mit dem Zusammenhang von Tierhaltung und Klima beschäftigt, bei Animal Climate Action mitgearbeitet und auch schon an Ende-Gelände-Aktionen teilgenommen – habe ich in gewisser Weise die wirkliche Dramatik der Lage lange gar nicht an mich herangelassen. Sie ist auch einfach so deprimierend. Schon jetzt sterben pro Tag so viele Tierarten aus wie seit 60 Millionen Jahren nicht mehr – das liegt nicht nur am Klimawandel, sondern auch an der gezielten Vernichtung durch uns Menschen, der Verringerung von Lebensraum und der Verschmutzung von Luft, Böden und Wasser.

Was den Klimawandel angeht, so steuern wir auf dem aktuellen Kurs auf eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2 bis 6 Grad bis 2100 zu. Große Teile der Erde werden unbewohnbar werden. Hunderte Millionen Menschen werden auf der Flucht sein. Vier Grad – nach dieser Einschätzung ein eher mittlerers Ergebnis – würde Berechnungen zufolge bedeuten, dass 74 % der Weltbevölkerung in Gebieten mit regelmäßig tödlicher Hitze wohnen würden, d.h. dort nur überleben könnten mit flächendeckenden Klimaanlagen. Selbst die Weltbank schreibt, es sei unsicher, ob eine Anpassung unser Gesellschaften an vier Grad Erwärmung überhaupt möglich sei. Außerdem können wir mit jeder weiteren Erwärmung gefährliche Kipppunkte überschreiten, die uns in eine unkontrollierbare Aufheizung, den so genannten „runaway climate change“ befördern und damit möglicherweise in eine Welt, die so heiß wird, dass sie für Menschen und andere Säugetiere nicht mehr bewohnbar ist. Schon jetzt schmilzt die Arktis, die Permafrostböden tauen auf, Wälder werden durch Dürre und Feuer vernichtet. All das verstärkt die Erwärmung weiter.

Die Forscherin Kate Marvel schreibt: „Als Klimawissenschaftlerin werde ich oft gebeten, über Hoffnung zu sprechen. Besonders im aktuellen politischen Klima möchte das Publikum hören, dass am Ende doch alles gut wird. Der Klimawandel ist so bedrückend, sagen die Veranstalter*innen immer. Erzähl uns eine schöne Geschichte. Gib uns Hoffnung. Das Problem ist: Ich habe keine.“ Und weiter: „Klimawissenschaftlerin zu sein bedeutet, an einer Horrorgeschichte in Zeitlupe teilzunehmen. Wir schicken unsere Kinder unweigerlich auf einen fremden Planeten.“

Es geht hier nicht nur um physische und biologische Effekte. Wir müssen uns auch fragen, was auf der politischen und sozialen Ebene mit Gesellschaften passiert in einer Welt, in der die Ressourcen ausgehen, in der es riesige Migrationsbewegungen und ständige Naturkatastrophen gibt. Werden wir solidarisch damit umgehen? Zusammenstehen, uns gegenseitig helfen und teilen? Oder wird sich eine Ideologie der Abschottung und Konkurrenz durchsetzen, wie wir sie jetzt schon überall in Europa erleben, und womöglich zu einem neuen Faschismus führen? Das sind keine Gedankenspiele, sondern sehr reale Möglichkeiten in Anbetracht des fast unvermeidbaren Zusammenbruchs der jetzigen Gesellschaften. Und all das wird nicht erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts akut werden – ich rechne mit krassen Änderungen unserer Lebensweise spätestens in zwanzig Jahren. Tatsächlich scheint die Erwärmung ja immer schneller zu sein, als die Studien voraussagen. Ein paar Dürren wie 2018 hintereinander, und wir haben eine handfeste globale Ernährungskrise, die auch uns betreffen wird.

Wenn man sich die Lage derart vor Augen führt, erscheint der Alltag unserer heutigen Welt geradezu absurd. Mein Nachbar mäht in aller Ruhe den Rasen, meine Eltern planen ihren Sommerurlaub, meine Freund*innen bewerben sich auf neue Jobs, schreiben Forschungsarbeiten über tote Philosophen oder bekommen gar Kinder. Auf der individuellen Ebene ist das natürlich immer verständlich – wenn ich es auch, wenn ich ehrlich bin, zunehmend weniger verstehe. Auf der Ebene der Gesellschaft ist es nicht nur irrational, sondern selbstmörderisch. Das Handeln auf Seiten der Politik entspricht dem: Business as usual. Klimaschutz? Gern, aber nur, wenn es die Wirtschaft nicht schädigt. Streiken für‘s Klima? Ok, das zeugt von politischem Bewusstsein, aber langsam reicht es doch. Nicht nur die tatsächliche Politik, auch schon die Debatte ist vollständig quer zu dem, was uns die Wissenschaft eigentlich sagt. Kontinuierlich wird weiter so getan, als ob kleinere Einsparungen durch neue Technologien den Karren schon weit genug aus dem Dreck ziehen würden.

Seit 1990 sind die globalen Treibhausgasemissionen um 60 Prozent gestiegen, obwohl damals schon der Weltklimarat eine starke Reduktion gefordert hatte. Auch 2018 sind sie erneut gestiegen. Um noch irgendeine Chance zu haben, die Erwärmung unter zwei Grad zu halten, müssen die Emissionen um fast so viel sinken, wie sie seitdem gestiegen sind. Das erfordert einen so umfassenden Wandel, dass ich bezweifle, dass er innerhalb des jetzigen Wirtschaftssystems überhaupt möglich ist. Wir wissen aber, dass er nötig ist, wenn wir uns und unseren Nachkommen – und all den nichtmenschlichen Tieren, die noch am wenigstens dafür können – einen lebenswerten Planeten erhalten wollen.

Extinction Rebellion in London

Die Bewegung Extinction Rebellion hat mich angesprochen, gerade weil sie die Lage so dramatisch beschreibt, wie sie tatsächlich ist: Wir stehen vor dem Weltuntergang. Das ist kein „Katastrophismus“, sondern die Wahrheit. Extinction Rebellion sagt diese Wahrheit nicht nur, sondern zeigt sie mit ihren Aktionen. Der erste Artikel, den ich über die Bewegung gelesen habe und der mich sofort bewegt hat, trug den Titel „Hundreds ready to go to jail over climate crisis.“ Menschen sind bereit, gegen Normen zu verstoßen und Ärger in Kauf zu nehmen, weil das Thema einfach so wichtig und dringend ist. Tausende haben in London an einem Tag fünf Brücken blockiert, den Verkehr lahmgelegt und allein damit jede Menge Aufmerksamkeit erzwungen. Was für einige Menschen vielleicht radikal und abschreckend wirkt, schafft es bei vielen anderen, Verständnis und Empathie zu wecken und ein ganz anderes Signal zu setzen als die altbekannte Latschdemo.

Was sollen diese Aktionen nun genau erreichen – was müsste in dieser so entmutigenden Lage denn getan werden? Mich haben auch die drei Kernforderungen von Extinction Rebellion überzeugt. Sie richten sich an die Regierung als die Instanz, die sowohl die Macht hätte, grundlegende Strukturen zu verändern, als auch die Pflicht dazu, insofern sie mindestens für die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu sorgen hat.

Erstens soll die Regierung gemeinsam mit den Medien die Wahrheit über die ökologische Krise klar kommunizieren und allgemein bekannt machen, als Voraussetzung dafür, dass auch drastische Maßnahmen ergriffen werden können. Zweitens müssen die Treibhausgasemissionen in kürzester Zeit, nämlich bis 2025, auf netto-null sinken und alles getan werden, um darüber hinaus Kohlenstoff mit sicheren Methoden wieder aus der Atmossphäre herauszuholen. Das jeweils in den einzelnen Ländern und damit letztlich auch global. Die dafür nötigen Maßnahmen sollen drittens nicht von den Regierungen selbst erarbeitet und überwacht werden, sondern von so genannten Bürger*innenversammlungen, die per Losentscheid zusammengestellt werden und so einen guten Querschnitt der Gesellschaft liefern. Die ausgelosten Menschen bekommen umfassende Informationen von Wissenschaftler*innen und Expert*innen, haben Gelegenheit nachzudenken und sich in verschiedenen Formaten auszutauschen, und treffen dann Entscheidungen. Die Erfahrung mit solchen Gremien zeigt, dass sie oft zu ausgesprochen guten und progressiven Ergebnissen führen.

Natürlich ist nicht davon auszugehen, dass ein paar Straßenblockaden und Medienberichte die Regierung dazu bringen werden, diese Forderungen zu erfüllen. Umso mehr, als sie ohne grundlegende Transformation der Wirtschaft – ohne Angriff auf machtvolle Kapitalinteressen – nicht zu erfüllen sind. Der Plan muss also sein, die Rebellion so weit zu eskalieren, dass sie tatsächlich das Weiter-so, den normalen Betriebsablauf der Wirtschaft unmöglich macht. Es braucht wahrscheinlich irgendeine Art von revolutionärem Moment, der eine Neuorganisation unter anderen Bedingungen möglich macht. Dazu müssen klarerweise deutlich mehr Menschen mitmachen als jetzt – aber nicht so viele, wie man vielleicht denkt. Der Wandel braucht keine Mehrheit. Eine entschlossene und einsatzbereite Minderheit kann fundamentale Änderungen herbeiführen – zumindest mit der richtigen Strategie.

Extinction Rebellion in Berlin

Ziviler Ungehorsam in Form von friedlichen Besetzungen und Blockaden sind Mittel, die schon bei vielen sozialen Bewegungen zu Erfolgen geführt haben. Extinction Rebellion beruft sich auch auf diese Geschichte und sozialwissenschaftliche Forschung. Natürlich ist unklar, inwieweit wir die Erfahrungen der Vergangenheit auf heute übertragen können – wir wollen nicht einzelne Gesetze verändern, sondern eine ganze Kultur umkrempeln. Aber dass wir nicht sicher wissen, ob die Strategie funktionieren wird, ist keine Ausrede dafür, gar nichts zu tun. Um noch einmal Kate Marvel zu zitieren: „Wir brauchen keine Hoffnung, sondern Mut. Mut bedeutet, das Richtige zu tun, ohne zu wissen, ob die Geschichte gut ausgehen wird.“

Aus meiner Sicht ist eine Rebellion oder ein Massenaufstand zum jetzigen Zeitpunkt genau richtig und dringend nötig – im Rahmen von Extinction Rebellion, aber auch im anderen Rahmen mit Ende Gelände, Fridays for Future, Animal Climate Action oder all den anderen, die nicht nur auf gefällige Protestformen, sondern auch auf den kalkulierten Regelbruch setzen. Und was viele, die wie ich am liebsten nicht negativ auffallen wollen, nicht erwarten: Gemeinsam ungehorsam sein, gemeinsam im Weg sitzen, kann – bei allem Mitgefühl für die blockierten Autofahrer*innen – richtig viel Spaß machen. Nicht nur, weil es toll ist, neue Menschen kennenzulernen, die in Anbetracht der Lage ähnlich empfinden wie man selbst. Auch nicht unbedingt, weil derlei Aktionen abenteuerlich und erlebnisreich sind – wobei das sicher auch eine Rolle spielt. Sondern vor allem deshalb, weil es sich großartig anfühlt, der Krise nicht mehr nur ohnmächtig zuzuschauen oder sich mit Alltäglichkeiten abzulenken, sondern hinzuschauen und aktiv etwas zu tun. Man nennt es auch „Empowerment“ – die eigene Handlungsfähigkeit entdecken und ausüben. Ich kann es nur empfehlen.

Staat beschönigt Tierhaltung für Schulen

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) hat drei Pockethefte  herausgegeben, die Informationen über die Nutztierhaltung vermitteln und u.a. an Schulen zum Einsatz kommen sollen. Die drei Hefte „So leben Milchkühe“, „So leben Schweine“und „So leben Hühner“ vermitteln laut Pressemitteilung des BZL „kurz und kompakt interessante sowie überraschende Fakten über Nutztiere und deren Haltung. Auch wirtschaftliche Zwänge, rechtliche Vorgaben und aktuelle Herausforderungen in der Tierhaltung werden thematisiert.“

Tatsächlich kommen in den Broschüren einige oft kritisierte Praktiken zur Sprache: Das Töten der männlichen Küken in der Eierwirtschaft, das kurze Leben der Masthühner, die Beschäftigungslosigkeit der Schweine oder das Ausbrennen der Hörner bei Kälbern werden angesprochen. Trotzdem findet aber insgesamt eine starke Beschönigung statt: Die Broschüren blenden einige problematische Aspekte aus, bedienen klassische Mythen über die Nutztierhaltung und setzen einseitige Schwerpunkte.

Hier sind einige Beispiele.

„So leben Milchkühe“

Hier und in der ganzen Broschüre wird die Trennung von Kuh und Kalb, die in so gut wie allen Milchbetrieben kurz nach der Geburt des Kalbes stattfindet, glatt unterschlagen. Es stimmt auch nicht, dass das Kalb quasi „seinen“ Teil der Milch bekommt und der Rest verkauft wird. Das Kalb bekommt im Normalfall nur ganz zu Beginn die so genannte „Biestmilch“, die die Kuh direkt nach der Kalbung bildet. Danach wird alle Milch verkauft – genau deshalb werden ja Kühe und Kälber getrennt.

Unterschlagen wird natürlich auch, dass die Milchmenge durch die Züchtung beeinflusst ist, und dass die Kühe nicht einfach so wieder trächtig werden, sondern durch gezielte künstliche Befruchtung, die genau zum wirtschaftlich sinnvollsten Zeitpunkt stattfindet. Stattdessen wird suggeriert, es handele sich bei all diesen Vorgängen um natürliche Prozesse.

Hier wird der Mythos bedient, dass das Wohlbefinden der Tiere eine Bedingung für die erfolgreiche Produktion sei. Das ist falsch. In bestimmten Hinsichten ist natürlich zum Beispiel die Gesundheit der Tiere relevant, aber auch die ist nur ein Faktor ein einer umfassenden Kalkulation. So sind zum Beispiel Klauen- und Euterkrankheiten in der Milchwirtschaft weit verbreitet. Entscheidend ist, dass sie nicht den Schweregrad und die Verbreitung in einer Herde erreichen, dass sie wirtschaftlich problematisch werden. Je nach sonstigen Kosten können und müssen sie in gewissem Maß in Kauf genommen werden. Auch Kühe, die in Anbindehaltung sich nicht bewegen können, geben noch Milch. Das sind biologische Prozesse, die zudem durch Züchtung manipuliert wurden. Und was soll es überhaupt heißen, dass Kühe „gern Milch geben“?

Außerdem wird in der Broschüre vom Tierschutzgesetz und der Tierschutznutztierhaltungsverordnung geschwärmt, die den Umgang mit Tieren regeln würden. „Weiterhin gibt es Verordnungen zum Schutz von Tieren beim Transport sowie im Zusammenhang mit ihrer Schlachtung.“ Wie oft es zu Leiden beim Transport sowie zu Fehlbetäubungen und krassen Schmerzen bei der Schlachtung kommt – gut belegt u.a. durch Undercover-Aufnahmen aus dem letzten Jahr -, wird natürlich nicht erwähnt. Auch nicht, dass „Milchkühe“ im Durchschnitt im Alter von weniger als sechs Jahren getötet werden, obwohl sie zwanzig Jahre alt werden können.

Die Broschüre stellt schließlich die Verantwortung der Verbraucher*innen beim Einkauf heraus, ohne aber auf die Möglichkeit zu berücksichtigen, den Milchkonsum einzuschränken oder aufzugeben, und ohne die Alternativen in Form von pflanzlichen Milcharten aufzuzeigen.

„So leben Schweine“

Die Broschüre über Schweine zeigt eine Außenhaltung von Schweinen, wahrscheinlich Biohaltung. Der Anteil von Schweinefleisch aus Biohaltung am in Deutschland verkauften Fleisch beträgt unter 2 %. Dass ein so wenig repräsentatives Bild als Titel fungiert, ist selbst schon eine Beschönigung. In den Texten wird dann immerhin klar, dass Schweine viele Verhaltensbedürfnisse in der üblichen Haltung nicht ausleben können. Allerdings wird dann zum Beispiel von „zukunftsorientierten Ställen“ geschrieben, die darin schon besser seien.

Außerdem heißt es dann weiter hinten in der Broschüre:

Unklar bleibt natürlich, wie es Schweinen auf 0,75 qm pro Tier gut gehen soll. Hängen bleibt aber bei Leser*innen wiederum: Es gibt ein paar Herausforderungen, aber grundsätzlich ist alles in Ordnung.

Beim Vergleich von Biohaltung und konventioneller Haltung wird nicht gesagt, wie groß der vorgeschriebene Auslauf tatsächlich ist, nämlich 1 qm pro Schwein. Stattdessen wird durch die Bebilderung so getan, als handele es sich um eine Wiese dieser Art:

Die mehrwöchige Kastenstandshaltung der Sauen, das Töten der Ferkel oder die verbreiteten Krankheiten aufgrund von Gestank, Enge und Stress werden ebenso wenig in der Broschüre erwähnt wie die Realität bei der Schlachtung. Stattdessen heißt es wieder:

Von Umweltproblemen durch Gülle oder den Bedarf an Futtermitteln ist nicht die Rede.

„So leben Hühner“

Die Broschüre zur Hühnerhaltung stellt gut dar, wie heutige Hühner durch Züchtung zu den gewünschten hohen Leistungen gebracht wurden. Ebenfalls wird nicht unterschlagen, wie kurz sie leben – das Kükentöten kommt ebenso vor wie das Töten der Legehennen nach der ersten Legeperiode sowie die Tatsache, dass Masthühner nur wenige Wochen alt werden. Beim Kükentöten wird natürlich gleich hinzugefügt, dass an der Geschlechtserkennung im Ei und an den „Zweinutzungshühnern“ eifrig geforscht wird.

Der Schwerpunkt liegt in dieser Broschüre auf bemerkenswerten Eigenschaften und Fähigkeiten der Hühner: Dass sie gerne im Sand baden, dass sie mit dem Magen kauen und am liebsten hoch auf Ästen oder Stangen schlafen. Dabei wird allerdings gar nicht klar, wie wenig Hühner diese Eigenschaften in der normalen Haltung ausleben können.

Außerdem spricht die Broschüre das Schnabelkürzen an und betont, dass das mittlerweile nicht mehr gemacht wird. Inwieweit jetzt eben verstärkt Verletzungen auftreten, kommt nicht vor – stattdessen wird so getan, als ob durch die Fürsorge des Tierhalters alle Probleme beseitigt würden.

Zuletzt geht die Broschüre noch auf das Thema Antibiotika ein und sagt: „Den Regeln zufolge dürfen Antibiotika nur verwendet werden, wenn es absolut notwendig ist.“ Daraus wird natürlich nicht klar, wie viele Antibiotika wie oft tatsächlich zum Einsatz kommen.

Fazit

Diese Broschüren zeigen einmal mehr, wie stark die staatlichen Stellen die Interessen einer bestimmten Wirtschaftsbranche vertreten: Anstatt das große Leid der Tiere und auch die Klima- und Umweltfolgen der Nutztierhaltung ernsthaft zu thematisieren, verharmlosen und beschönigen sie die Realität. Zwar nennen sie einige kritische Aspekte, tun aber oft so, als ob daran schon eifrig gearbeitet würde und Verbesserungen in naher Zukunft erreicht würden. Zugleich lassen sie wichtige problematische Aspekte weg und bedienen verharmlosende Mythen über die Tierhaltung.

Wenn diese Broschüren zum Beispiel an Schulen eingesetzt werden, kommt das somit einer einseitigen Beeinflussung der Schüler*innen zugunsten der Tierindustrie gleich. (Diese passiert natürlich schon jetzt und teils mit noch viel einseitigerem Material zum Beispiel von information.medien.agrar, einem vom Bauernverband selbst getragenen Verein.)

Es bleibt nur zu hoffen, dass Lehrkräfte das durchschauen und sie nicht verwenden bzw. durch andere Darstellungen ergänzen.

(Und etwas Werbung in eigener Sache: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Nutztierhaltung ermöglicht der Verein Mensch Tier Bildung e.V. mit Workshops und Projekttagen an Schulen.)

Links:

 

Meine Landwirtschaft der Zukunft

Bei einer Podiumsdiskussion in Potsdam war ich eingeladen, in zehn Minuten eine Vision für die Zukunft der Landwirtschaft und Tierhaltung (in Brandenburg) zu formulieren. Hier ist der Text, den ich vorgetragen habe. Er hat drei Teile. Erstens beschreibe ich meine Idealvorstellung von einer rosigen Zukunft. Dabei kann man sich natürlich fragen, wie realistisch sie ist. Machbar ist sie aber auf jeden Fall. Warum ich sie für sehr wünschenswert halte, erkläre ich im zweiten Teil. Daraus leite ich dann drittens ein paar Mindestforderungen ab, die, wie ich hoffe, auch aus anderen Perspektiven nachvollziehbar sein könnten. Und damit beantworte ich auch schon die Frage, was jetzt geschehen muss, damit wir diesen Veränderungen näher kommen.

1. Utopie

Quelle: Elina Mark

In meiner Utopie gibt es keine so genannten Nutztiere mehr.

Kein Tier wird mehr gefangengehalten, verletzt, in seinen Bedürfnissen eingeschränkt oder getötet, nur damit wir Kuhmilch trinken, Eier oder Fleisch essen können. Wir Menschen ernähren uns gesund rein pflanzlich – wir essen sehr viel frisches Gemüse und Obst, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse. Ganz nebenbei gehen dadurch auch viele Zivilisationskrankheiten wie Diabetes 2, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück, die durch übermäßigen Konsum von tierischen Fetten und Eiweiß befördert werden.

Ja, wir müssen Vitamin B12 künstlich zuführen. Aber bevor Sie das jetzt unnatürlich finden, denken Sie daran, dass zur Zeit die Nutztiere das Vitamin als Futterzusatz bekommen und wir es daher, wenn wir Fleisch essen, auch nur über einen Umweg zu uns nehmen.

Quelle: Land der Tiere

Weil die Tierhaltung Stück für Stück zurückgebaut wurde und einfach immer weniger Tiere gezüchtet wurden, gibt es sehr viel weniger domestizierte Tiere. Natürlich sind noch ein paar Haushühner, Hausschweine und Rinder übrig. Die leben in größtmöglicher Freiheit auf einigen Lebenshöfen, wo sie gut versorgt werden und wo Menschen Ausflüge hin unternehmen, um sie zu beobachten und mit ihnen auf freiwilliger Basis zu interagieren. Die Tiere müssen nicht um ihr Leben fürchten, je nach Kapazitäten des Lebenshofes können sie auch Nachwuchs bekommen, diesen selbst versorgen und Familienleben genießen.

Wir bauen alle Nahrungsmittel ökologisch an, häufig nach agrarökologischen und Permakultur-Prinzipien und natürlich weitgehend ohne den Dung von Tieren. Wir düngen gezielt mit Kompost, Hülsenfrüchten, Jauchen, Grasschnitt und anderem organischen Material. Außerdem haben wir die Methoden verbessert, auch menschliche Ausscheidungen gefahrlos wieder aufs Feld zu bringen; insbesondere Stickstoff und Phosphor aus dem Urin sind wichtig für die nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Man muss dabei bedenken, dass auch die Tiere heute diese Nährstoffe nicht selber herstellen, sondern nur aus dem Futter aufnehmen und dann ausscheiden.

Quelle: PlantAge

Meine Utopie hat noch einen zweiten Aspekt, der mit dem ersten letztlich eng zusammenhängt. Er lautet:

Der Anbau der Nahrungsmitteln ist weitgehend lokal und in überschaubaren Gemeinschaften auf Solidarprinzip organisiert.

Also jedes Dorf, jeder Stadtteil oder jeder Kiez kooperiert direkt mit Landwirtschafts- und Handwerksbetrieben, die frisches Gemüse und Obst, aber auch verarbeitete Produkte, Brot, Nudeln, Öl, Nüsse, Konserven usw. liefern. Häufig sieht die Kooperation vor, dass viele Mitglieder selbst eine gewisse Zeit auf dem Hof oder zB in der Backstube mithelfen. Aber es gibt auch sehr viel mehr Leute, die vollzeit in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung tätig sind – aufgrund der veränderten Bedingungen sind das wieder sehr attraktive Jobs. Dafür wird sehr viel weniger Energie verbraucht. Da alle Mitglieder einer Verbrauchsgruppe zwar je nach ihren Möglichkeiten, aber insgesamt einen großen Teil ihres Einkommens für die Lebensmittel bezahlen – wenn es überhaupt noch Geld gibt – bekommen auch die Vollzeit-Kräfte ein gutes Gehalt. Die Entscheidungen darüber trifft die Verbrauchsgruppe mit den Erzeuger_innen gemeinsam und konsensorientiert. Produkte wie Kaffee, Schokolade, Palmfett oder Bananen, die nicht lokal erzeugt werden können, werden in viel geringerem Maße verzehrt; dafür findet ein Handel zwischen Zusammenschlüssen von Verbrauchsgruppen hierzulande und Erzeugerkooperativen in den Herstellungsländern statt, der direkte und faire Handelsbeziehungen gewährleistet. Denn natürlich sind in der Utopie die Verhältnisse global gerecht geworden.

2. Gründe

Warum diese Utopie? Zunächst zum ersten Aspekt: Warum keine Nutztiere? Ich denke, dass Schweine, Schafe, Rinder und auch Hühner und Puten fühlende Wesen sind, die ihre eigenen Bedürfnisse und Zwecke haben, und dass es nicht in Ordnung ist, sie für unsere Ernährung zu verletzen, einzusperren und zu töten – mindestens dann, wenn es auch anders geht. Wie schlimm es in der Intensivtierhaltung aussieht, ist hier ja allseits bekannt.

Aber ich denke, dass wir auch in alternativen Haltungsformen den eigentlichen Bedürfnissen der Tiere bei Weitem nicht gerecht werden.

Industriebio ist das eine Problem – da sind die Bedingungen ja gar nicht so viel anders, wenn zum Beispiel die Hühner auf engem Raum leben, sich gegenseitig picken, Ausläufe nicht nutzen können usw.

Schweine bei Bioland. Quelle: ARIWA.

Aber viele Aspekte, die ich an der Nutztierhaltung falsch finde, betreffen die allermeisten und auch kleinere Biobetriebe. Auch da werden die Kälber sofort von den Müttern getrennt, die Milchkühe leben nur wenige Jahre, die Mastrinder noch kürzer, auch die meisten Bioschweine haben nur einen kleinen betonierten Außenbereich zur Verfügung, wo sie weder wühlen noch suhlen noch ihre Neugier befriedigen können. Gewiss, es geht dann immer noch besser – muttergebundene Aufzucht, Schweine auf der Wiese und im Wald, Kleinstgruppen von Hühnern usw. Aber wie viel können wir damit realistisch erzeugen? Und auch dabei bleibt das Tier dem jeweiligen Produktionszweck untergeordnet – der Tierarzt wird zum Beispiel nur geholt, wenn es sich wirtschaftlich noch lohnt. Und natürlich wird jedes so genannte Nutztier gegen seinen eigenen Lebenswillen gewaltsam getötet, sobald das eben wirtschaftlich sinnvoll ist.

Studie „Grazed and confused?“.

Aus meiner Sicht müssen wir auch aus Umwelt- und Klimagründen aus der Tierhaltung aussteigen.

Bekanntlich ist ja die globale Tierproduktion für mind. 15 % der Treibhausgase verantwortlich, etwa so viel wie der gesamte Verkehr. Die Tierhaltung ist außerdem ein Hauptfaktor bei Entwaldung, Stickstoffeintrag, Phosphorproblematik etc. pp. Und nicht nur die Intensivtierhaltung ist das Problem. Die extensive Tierhaltung ist durch ihren Flächenverbrauch und ihre relative Ineffizienz auch ein massives Umweltproblem. Und an der Idee, dass die richtige Weidehaltung von Kühen das Klima schütze, ist neuesten Studien zufolge auch kaum etwas dran. Ohne Nutztiere können wir auf weniger Land mehr Nahrung für Menschen erzeugen.

Und warum kleine Gemeinschaften mit Konsens-Entscheidungen auf Solidarprinzip?

Weil kapitalistische Verhältnisse und die Steuerung über mächtige Konzerne und den Markt zu den zentralen Ursachen dafür gehören, dass so viel Naturzerstörung und Ausbeutung stattfindet.

Wer billiger produziert, wer mehr produziert, gewinnt – das ist ja Logik des Marktes, zumal dann noch auf globaler Ebene. Diese Grundstruktur führt dazu, dass der gewinnt, der mehr ausbeutet. Es ist illusorisch, in Anbetracht dieser Grundstruktur darauf zu hoffen, dass die Leute in relevanter Zahl durch Aufklärung in Zukunft “ethischer” konsumieren werden. Dafür sind die Leute in der heutigen Gesellschaft mit zu viel anderem beschäftigt und wahrscheinlich auch zu eigennützig. (Sie sehen, meine Utopie beruht nicht auf einem naiv-positiven Menschenbild.) Und politische und gesetzliche Rahmenbedingungen können diese Grunddynamik höchstens bremsen, nicht aufheben. Deshalb müssen die Entscheidungen darüber, was und wie produziert wird, von allen Betroffenen gemeinsam getroffen werden – also Konsument_innen und Produzent_innen zusammen, nicht vermittelt über profitorientierte Konzerne und den anonymen Markt. Nur so können einerseits faire Entlohnung und andererseits vernünftige Produktionsmethoden umgesetzt werden.

Das ist zugegeben eine radikale Vision. Das muss aber gar nichts Schlechtes sein, schließlich kommt das Wort „radikal“ von radix, die Wurzel – man geht an die Wurzel der Probleme und schlägt grundlegende Änderungen vor. Vielen von Ihnen gehen die Forderungen aber sicher zu weit. Verstehe ich, obwohl’s sehr schade ist. Wenn’s um gemeinsame Entscheidungen geht, muss man natürlich auch Kompromisse machen können – allerdings eigentlich erst, nachdem man die Positionen wirklich gut diskutiert hat, was wir ja jetzt noch nicht haben. Trotzdem schonmal: Was wären drittens meine Mindestforderungen, mit denen ich einen Kompromiss verhandeln könnte? Und was wären für mich erstrebenswerte Zwischenziele?

3. Mindestforderungen und Schritte

Wiederum zuerst zum Thema Nutztierhaltung: Massiv runterfahren.

Also wirklich die Menge reduzieren, nicht immer nur über die Umstellung auf Bio reden.

Damit weniger Tiere leiden, aber auch um die Umwelt- und Klimafolgen zu reduzieren. Und das natürlich möglichst schnell. Also keine neuen Anlagen, und ein Rückbau der Bestehenden. Da spielen auch die Bürgerinitiativen gegen Bauvorhaben eine wichtige Rolle. Es müssen dazu alternative und attraktive Möglichkeiten für die jeweiligen Landwirt_innen geschaffen werden, die sich ja zur Zeit immer nur als Verlierer sehen.

Zugleich muss natürlich der Konsum von Tierprodukten runtergehen, sonst ist wieder nichts gewonnen. Die pflanzliche Ernährung muss also massiv gefördert werden – dafür können wir alle uns auf vielen Ebenen einsetzen, und auch „die Politik“ kann über Steuerregelungen, Förderungen, Infokampagnen und vieles mehr einiges tun.

Quelle: Gemeinschaftsgärtnerei Wildwuchs

Und zum Thema Organisation:

Hier ist alles gut, was Großkonzerne und Markt entmachtet, was Entscheidungskompetenzen auf niedrigere Ebenen verlegt und was Konsument_innen und Produzent_innen zusammenbringt.

Solidarische Landwirtschaften sind Modellprojekte, aber noch Nischen. Da werden natürlich in vielen Fällen (noch?) Tiere ausgebeutet, aber die Tierrechtsfrage kann dort ganz anders diskutiert werden als im Supermarkt, wo eben gar kein Ansprechpartner dafür da ist.

Stadt- und Gemeinschaftsgärten, Äcker in Schule und Kindergarten, kooperativ organisierte Betriebe und Supermärkte gehen auch genau in die richtige Richtung.  Hier ist die große Frage, wie weit sich die Landwirtschaft quasi innerhalb des Gesamtsystems überhaupt ändern kann, schließlich ist sie eingebunden in größere kapitalistische Märkte und europäische und globale Handelsbeziehungen. Daher brauchen wir vielleicht auch für die Agrarwende die große antikapitalistische Revolution.

In jedem Fall denke ich, dass wir nur dann eine Chance haben, tatsächlich wirksam etwas zu ändern, wenn sich viele Leute von unten organisieren – wie es in den Bürgerinitiativen ja schon geschieht. Genau davon brauchen wir viel, viel mehr. Wir alle, die wir uns eine gerechtere und schönere Welt wünschen, für Menschen und auch für Tiere und die Natur, wir müssen da selber mit anpacken. Wir dürfen uns nicht auf die Parteien, schon gar nicht auf die Wirtschaft verlassen. Wir müssen selber den Wandel voranbringen – sowohl durch Protest und Widerstand, als auch durch Aufbau von Alternativen.

Denn wenn wir es nicht tun, wird es nicht passieren.

Echte Fake News: Keine Konkurrenz von Trog und Teller

Fake News“ ist ja oft ein Kampfbegriff ohne viel Inhalt, aber hier trifft er mal genau zu: Agrarmedien verbreiten Falschmeldungen in eigenem Interesse und korrigieren nicht. Im Oktober veröffentlichte die Welternährungsorganisation eine neue Studie zur Frage, ob die Fütterung von Nutztieren eine Verschwendung von Ressourcen darstellt, die auch für die direkte menschliche Ernährung genutzt werden kann. Obwohl die Ergebnisse differenziert sind, titelten mehrere Agrarmedien und Lobbyorganisationen eindeutige – und dabei falsche – Botschaften.

Topagrar-Artikel

Pressedienst vom Bayerischen Bauernverband

Website „Frag doch mal den Landwirt!“

Rheinischer Landwirtschafts-Verband

Proplanta – Informationszentrum für die Landwirtschaft

Die Menge an Unrichtigkeit variiert dabei:

  • Eine glasklar falsche Zahlenangabe macht Topagrar, das wichtigste Agrarmedium, offenbar übernommen aus einer Agenturmeldung von Agra Europe: Sie schreiben, nur 13 % der globalen Getreideernte flössen in die Fleischproduktion. Dabei steht in der Studie wörtlich und ganz am Anfang, dass es ein Drittel sind. Auch über Facebook verbreitete sich der Artikel von Topagrar in der Agrarszene – allein dieser Artikel wurde 150 mal geteilt.  In Kommentaren haben ich und andere mehrfach auf den Fehler hingewiesen, die Meldung wurde jedoch nicht korrigiert. Als ich per Mail an die Redaktion um Richtigstellung bat und mit einer Beschwerde beim Deutschen Presserat drohte, wurde der Artikel auf der Website gelöscht – anstatt richtiggestellt, wie der Pressekodex fordert. Bei der Suche auf Topagrar findet man den Teaser noch immer, auch der Facebookpost inklusive falscher Zahl blieb unverändert bis heute. Die Meldung ist auf diesem Weg natürlich in zahlreichen anderen Medien gelandet. Auch Proplanta und der Rheinische Landwirtschaftsverband übernimmt die 13 %. Ich habe dann am 14. November die Beschwerde gegen Topagrar beim Presserat eingereicht und warte noch auf die Entscheidung.
  • Die Gesamtinterpretation der Studie stimmt nicht: Die Studie besagt mitnichten, dass es keine Konkurrenz zwischen Futtermittel- und Nahrungsmittelproduktion gibt. Erstens lautet das explizite Fazit der Studie anders: „These results allow to nuance the severity of the feed/food competition that is often put forward.“ Das Ergebnis ist also, dass die Schwere der Konkurrenz differenzierter zu betrachten ist bzw. dass die Konkurrenz weniger schwerwiegend sei, als oft behauptet wird. Nirgendwo wird behauptet, dass es keine Konkurrenz gibt. Zweitens stellt die Studie im Gegenteil klar, dass zur Zeit eine Menge Land zur Futtermittelproduktion genutzt wird, wo auch menschliche Nahrungsmittel angebaut werden könnten – das gilt sogar für einen Teil des vielbeschworenen Weideland. Auch die Zahl 86%, die von Agrarseite so gefeiert wird, ist anders zu bewerten: Zur Zeit sind 86% der Futtermittel nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Das liegt aber in vielen Fällen daran, dass sie extra für Tiere angebaut wurden – und man könnte natürlich auch etwas anderes anbauen.

Sehr fundierte Kritiken der Fehlinterpretation mit weiteten Informationen und Bewertungen wurden jetzt von Germanwatch und von der Albert-Schweitzer-Stiftung verfasst. Vielen Dank dafür!

Das alte Problem der Fake News bleibt allerdings: Die Richtigstellung verbreitet sich weit weniger als und nicht in denselben Kreisen wie die Falschmeldung. Und so bleibt die Falschmeldung in der Welt und wird auch immer wieder in Kommentaren zur Argumentation verwendet … Vielleicht hat es daher Sinn, nochmal alle Medien, wo sie auftauchte, zur Richtigstellung aufzufordern und ggf. Beschwerden einzureichen? Eine Sisyphusarbeit und damit wohl ein Lehrstück über Fake News …

Update: Auf die Intervention des Presserates hin hat Topagrar die Meldung korrigiert. Sanktionen erfolgten nicht.

 

Mini-Rezension: Tierethik – der Comic zur Debatte

Ich habe zwar vorher keine Lücke gesehen, aber dieses Buch füllt klarerweise eine: In Comic-Form erklärt es die Geschichte der Tierethik, wichtige aktuelle Argumente und Positionen sowie politische Strategien und Debatten der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Es ist fundiert, treffend, klug und an vielen Stellen ziemlich lustig, vor allem durch die gewitzten Zeichnungen.

Ich habe gestaunt, wie der Grafiker Oliver Hahn auch die abstraktesten philosophischen Begriffe originell veranschaulicht. Der Text stammt von Julia Kockel, die es ihrerseits schafft, komplexe Theorien kurz wiederzugeben, ohne sie zu verzerren oder zu sehr zu vereinfachen.

Ebenso beeindruckt war ich davon, wie die beiden ein so weites Themenfeld geschickt sortieren und so viele Aspekte des Mensch-Tier-Verhältnisses zumindest anreißen: Die Philosophie der Antike, die britischen Empiristen, das Verrohungsargument, die Anfänge der Tierrechtsbewegung, Mitleidsethik und Utilitarismus, Tierversuche und Zoos, vegane Konsumtrends, Bio-Lügen und Kapitalismuskritik, politische Utopien und illegale Aktionen, die Hauptsache-für-die-Tiere-Idee und Nazi-Tierschützer … um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und natürlich bin ich höchst geschmeichelt, dass eine gezeichnete Version von mir auch etwas sagen darf 😮

Top aktuell: Mit Doctor Who!

Ich kann das Werk also nur wärmstens empfehlen, sei es zu Bildungs- oder Unterhaltungszwecken, es erfüllt sie beide!

Julia Kockel/Olive Hahn, Tierethik. Der Comic zur Debatte, Paderborn 2017 (Wilhelm Fink-Verlag), 155 S., ISBN: 978-3-7705-6289-3, 19,90 Euro

Als Vertreterin der Tiere im Weltparlament

Was wäre, wenn die so genannten „Nutztiere“ politische Vertreter*innen in’s Parlament schicken könnten – was wären ihre Forderungen? Was wäre, wenn es nicht das deutsche Parlament wäre, sondern ein Weltparlament, wo lauter Akteur*innen sprechen, die heute keine politische Stimme haben? Das Theaterprojekt „General Assembly“ vom Schweizer Regisseur Milo Rau wird dieses Gedankenexperiment live vorführen – vom 3. bis 5. November in der Berliner Schaubühne.

Auf globaler Ebene existieren keine demokratischen Strukturen, die den Weltmarkt regulieren, völkerrechtliche Verstöße verfolgen oder ökologische Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten könnten. Die »General Assembly«, die 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in Berlin versammelt, füllt mit ihrem Entwurf eines tatsächlichen Weltparlaments diese Leerstelle. In fünf Plenarsitzungen fragen die Abgeordneten der »General Assembly«, wo wir als Weltgemeinschaft stehen und was zu tun ist – sozial, ökologisch, technologisch, politisch. Was bedeutet politische Souveränität im Zeitalter der Globalisierung? Wie verhalten sich die Interessen der Weltbevölkerung zu den demokratischen Prinzipien der Nationalstaaten? Wessen Forderungen nach Unabhängigkeit, Würde und Glück können zu den Forderungen der ganzen Menschheit werden? An die Stelle eines Lokalparlaments tritt ein Globalparlament, das die Mitglieder der neu gewählten deutschen Regierung auffordert, sich anzuschließen. Das erste Weltparlament der Menschheitsgeschichte, begleitet von einer Gruppe internationaler politischer Beobachter, gipfelt in der Verabschiedung der »Charta für das 21. Jahrhundert«.

Zu den Nicht-Vertretenen in den normalen Parlamenten gehören natürlich auch die Tiere! Ich bin als Abgeordnete der Tiere in den Tierfabriken eingeladen, ihre Interessen in der General Assembly zu vertreten. Im Vorfeld habe ich einen Text geschrieben, der in einem kleinen Büchlein im Merve-Verlag erscheint – und den ich hier im Blog veröffentliche.

Hier ist noch ein sehr anregendes Interview mit Milo Rau.

Für die Tiere in den Tierfabriken – Beitrag zur General Assembly

Ich spreche für die fühlenden Tiere auf der ganzen Welt, die für die Erzeugung von Fleisch, Milch und Eier gefangengehalten, ausgebeutet und getötet werden. Dazu gehören die Hühner, Puten, Schweine, Rinder und viele andere Tiere, die in gigantischen Zucht- und Mastanlagen, in Feedlots und in maschinisierten Eier- und Milchfabriken unter elenden Bedingungen ihr kurzes Leben fristen müssen, die verstümmelt werden, indem ihnen die Schwänze, Schnäbel oder Hörner abgeschnitten oder ausgebrannt werden. Dazu gehören auch die Kühe, die in kleinen Milchbetrieben im Sommer auf die Weide dürfen, aber jedes Jahr ihrer Kinder beraubt werden.

Dazu gehören auch die Hühner, die vermeintlich glückliche Eier legen, aber von Großkonzernen produziert und mutterlos in großen Hallen aufgezogen wurden, und dazu gehören die Brüder dieser Hühner, die schon als Küken bei vollem Bewusstsein umgebracht wurden. Dazu gehören die Enten und Gänse, die nie schwimmen durften, die Kaninchen, die in kleinen Käfigen auf Drahtboden gemästet werden.

Dazu gehören viele weitere Tiere, die ihre natürlichen Bedürfnisse nach Gesundheit, Bewegung, Abwechslung oder Familienleben nicht ausleben können, weil sie nicht als fühlende Individuen zählen, sondern als Waren und Ressourcen zur Erzeugung von Produkten, die keiner braucht. Dazu gehören all die Tiere, die in Schlachtfabriken und Metzgereien brutal und oft unter grausigen Schmerzen um’s Leben gebracht werden.

Weltweit fallen pro Jahr über 60 Milliarden Landtiere, nämlich Säugetiere und Vögel, der Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern zum Opfer. Allein in Deutschland beläuft sich die Zahl auf über 750 Millionen jährlich geschlachtete Tiere.

Diese gigantische Ausbeutungs- und Tötungsmaschinerie wird von geltenden Gesetzen legitimiert sowie von den herrschenden Regierungen ideologisch und finanziell unterstützt und gefördert – und das, obwohl nicht nur die Tiere die Leidtragenden sind, sondern die Tierindustrie für weitere fatale Probleme wie prekäre Arbeitsbedingungen, Landraub für Futtermittel, Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung und nicht zuletzt den Klimawandel mit verantwortlich ist. All das kann auch nicht im Sinne der menschlichen Bevölkerung sein.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen die Grausamkeit gegenüber Tieren ablehnen und sich von Bildern aus der üblichen Tierhaltung geschockt zeigen. Zugleich liegt die Alternative klar auf der Hand: Eine pflanzliche Ernährung ist, wie die aktuelle Wissenschaft bestätigt, für alle Menschen möglich und sogar häufig mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden.

Dass trotz alledem die Tierindustrie nicht schrumpft, sondern im Gegenteil stetig wächst, lässt sich nur durch die herrschenden Machtverhältnisse und Interessenlagen erklären: Wenige große und international tätige Unternehmen geben in der Tierindustrie den Ton an, profitieren von der Gewalt und beeinflussen über ihre Lobbyinstitutionen die Bevölkerung und die Politik.

Die Tiere selber haben keine Möglichkeit, sich gegen dieses Unrecht aufzulehnen und für ihre Befreiung aus der Unterdrückung einzutreten – auch wenn immer wieder einzelne Tiere aus Ställen und Schlachthöfen ausbrechen und verzweifelt ihre Freiheit und ihr Leben zu retten versuchen. Sie haben gegen die Übermacht der Menschen und ihrer Nutzungsinteressen keine Chance. Die Ausgebrochenen werden gewöhnlich kurzerhand erschossen.

Deshalb brauchen die Tiere uns Menschen, die für ihre Bedürfnisse und Rechte kämpfen. Es ist nicht fair, fühlende Wesen wie Waren und Produktionsmittel zu handeln, einzusperren, zu verstümmeln, ihre Körper auszubeuten, ihre Familien zu zerstören, ihre Bedürfnisse zu missachten und sie schlussendlich gewaltsam zu töten – das sagt uns nicht nur ein gesunder Sinn für Gerechtigkeit, sondern auch unser Mitgefühl klar und deutlich, sobald wir uns trauen, darauf zu hören.

Ich fordere daher im Namen der Tiere: Die Generalversammlung möge sich dazu bekennen, dass Rinder, Schweine, Hühner und viele andere Tiere fühlende Wesen sind, die unseren Respekt und unsere Rücksicht verdienen. Die Generalversammlung möge außerdem anerkennen, dass es mit solchem Respekt und Rücksicht nicht vereinbar ist, die Bedürfnisse und Interessen von Tieren für die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern zu verletzen, zumindest solange eine andere Nahrungsmittelversorgung möglich ist.

Die General Assembly möge daher alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um erstens der Tierindustrie die Unterstützung zu entziehen und deren Macht zu verkleinern, um zweitens das Bewusstsein für das Leid und das Verständnis für die Interessen der Tiere in der Bevölkerung zu vergrößern, und um drittens eine Umstellung der gesamten Ernährungswirtschaft weg von der Tierproduktion und hin zu einer pflanzlichen – und ökologischen – Landwirtschaft voranzutreiben.

Weitere Texte von anderen Abgeordneten: https://www.merve.de/index.php/book/show/509
Mehr über die General Assembly: http://www.general-assembly.net/

Neu: Tagesseminare

Ab Dezember biete ich verschiedene Tagesseminare an, in denen es zunächst um ethische und politische Fragen zum Mensch-Tier-Verhältnis gehen wird – für alle Menschen, die mehr zu diesen Fragen erfahren und Theorien und Argumente diskutieren möchten! Die Teilnahmegebühr richtet sich nach dem Einkommen der Teilnehmenden, um es möglichst fair zu gestalten. Alle Themen, Termine und Preise gibt es hier: https://frieschm.uber.space/veranstaltungen/tagesseminare/

„Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“

Wer aus Tierschutzgründen gegen eine vegane Ernährung von Hunden ist, hat wahrscheinlich nicht an alle betroffenen Tiere gedacht. Kritiker*innen der veganen Hundeernährung müssen mindestens zugestehen, dass aus ethischer Sicht eine Zwickmühle vorliegt.

„Einen Hund vegan zu ernähren, ist nicht artgerecht!“ – „Ihr zwingt dem Tier eure Ideologie auf!“ – „Wenn der Hund frei entscheiden könnte, würde er doch Fleisch essen!“ – „Das arme Tier!“

Das sind recht häufig anzutreffende Meinungen zu vegan ernährten Hunden. Folgendes möchte ich zu den Menschen sagen, die diese Meinungen vertreten.

Ich finde Ihre Sichtweise bemerkenswert, und zwar aus folgendem Grund: Sie argumentieren ethisch im Sinne des Hundes – also es geht hier nicht um die Bedürfnisse, Profitinteressen oder Bequemlichkeiten von Menschen wie sonst beim Fleischkonsum, sondern um das Wohl von Tieren.

Rennender_Hund_2Sie gehen offenbar davon aus, dass es nicht in Ordnung ist, ein Tier – in diesem Fall einen Hund – an einem artgerechten Leben zu hindern, einem Tier eine Ideologie aufzuzwingen und seine Entscheidungsfreiheit einzuschränken.

In Anbetracht dessen äußern Sie auch Mitgefühl oder Empörung angesichts der Behandlung des Hundes, die aus Ihrer Sicht ungerecht ist. Nehmen Sie diese ethischen Prinzipien wirklich ernst? Denn wenn ja, müssten Sie diese doch auch auf andere Tiere anwenden, oder nicht? Schließlich gibt es keinen Grund, warum ein Hund – zumal ein Hund, den Sie gar nicht kennen – mehr zählen sollte oder höhere Ansprüche geltend machen könnte als ein Schwein oder ein Rind. Stimmen Sie soweit zu?

Dann müssten Sie doch anerkennen, dass Ihre Prinzipien in der Produktion von Fleisch und anderen Tierprodukten systematisch gebrochen werden. „Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“ weiterlesen

Leserbrief zu Werbung an Schulen

Bild Peta ArtikelAm 11. September erschien in der shz-Landeszeitung ein Artikel über die Verschickung von Infomaterial an Schulen durch die Tierschutz-/Tierrechtsorganisation PETA. Dazu habe ich einen Leserbrief verfasst. Außerdem habe ich dem Bildungsministerium geschrieben, das im Artikel mit den Worten zitiert wurde, es sei alarmiert und würde den Vorgang rechtlich und fachlich prüfen. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie im Falle einer Prüfung auch das Material der „Gegenseite“, nämlich des Bauernverbandes, unter die Lupe nehmen müssten, wie ich das auch im Leserbrief empfehle. Bin gespannt, ob und was sie antworten. Hier der Leserbrief an die Zeitung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel „Bloß kein Tier auf dem Teller: Peta wirbt an Schulen für vegane Ernährung“. Ich kann die Sorge verstehen, dass Kinder ideologisch beeinflusst werden, und die Auszüge aus den Info-Materialien von Peta klingen auch nicht nach neutraler Information. Ich möchte aber dreierlei zu bedenken geben:

1. Dass Tiere in heutigen Tieranlagen massiv leiden, lässt sich nicht vernünftig leugnen. Auch dass z.B. Kälber von ihren Müttern getrennt werden und das für sie negative Folgen hat, ist kaum abzustreiten. Ebenso klar ist, dass der Fleisch- und Tierproduktkonsum Umwelt und Klima schädigt. Vor diesem Hintergrund ist eine Verringerung des allgemeinen Tierproduktkonsums im Interesse aller – Menschen und Tiere – dringend geboten.

2. Was die Gesundheit betrifft, so kommt z.B die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung, die weltgrößte Ernährungsorganisation, zu einer anderen Einschätzung als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – eine gut geplante vegane Ernährung ist demnach für alle Lebensphasen geeignet. (Sie schrieben von „Fachverbänden“ – welche anderen Verbände als die DGE waren gemeint?) Umgekehrt ist wichtig zu sehen, dass viele Krankheiten heute mit hohem Tierproduktkonsum verbunden sind, der vielen Kindern im Elternhaus und auch durch die Schule und das übliche Kantinenessen angewöhnt wird. Da wird eben nicht nur gelegentlich eine Frikadelle serviert, wie Sie unter der Hand nahelegen.

3. Wenn Sie die PETA-Materialien bedenklich finden, sollten Sie sich bitte auch die Materialien der „Gegenseite“ anschauen, auf die im Artikel recht unkritisch Bezug genommen wird: „Kooperationen mit dem Bauernverband“. Die Schulmaterialien vom Verein medien.information.agrar (i.m.a.), der vom Bauernverband getragen wird, sind nachweisbar beschönigend und enthalten Falschaussagen. Es wird ein rosiges Bild der Tierhaltung gezeichnet und das Leiden der Tiere und andere negative Effekte der Tierproduktion schlicht unterschlagen. Auf dieser Grundlage können die Schüler*innen vielleicht Interesse an der Landwirtschaft, aber keine begründete Meinung dazu bilden.
In einem Schulplakat über Schweinehaltung heißt es z. B. über die konventionellen Stallabteile: „In den großen Buchten haben sie [die Schweine] genügend Platz.“ Dabei sind die Buchten nur 0,75 qm pro Schwein bis 110 kg groß und die Schweine können eine Vielzahl natürlicher Bedürfnisse dort nicht ausleben, wie auch der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltung feststellt. Das Leben in dieser Enge ist für die empfindsamen und neugierigen Tiere eine Qual. Weitere Beispiele für Beschönigung im i.m.a.-Schulmaterial finden Sie u.a. hier: http://agrarlobby.de/verbaende/bauernverband/i-m-a/

Bitte berichten Sie doch auch einmal über diese einseitige Beeinflussung von SchülerInnen!

Mit freundlichen Grüßen
Friederike Schmitz

Neues Buch: Tierethik kurz + verständlich

tierethik cover komplett_finalMein neues Buch ist ab heute als E-Book verfügbar und erscheint als Taschenbuch am Montag (4.9.2017) bei compassion media. Hier der Klappentext:

Gehören alle Schlachthöfe abgeschafft? Spricht etwas dagegen, sich einen Hund zu kaufen? Ist es richtig, an Mäusen Medikamente zu testen?

Die Meinungen zum richtigen Umgang mit Tieren gehen weit auseinander. Die Gründe für die unterschiedlichen Positionen untersucht eine eigenständige philosophische Disziplin: die Tierethik.

In dieser verständlichen Einführung schildert die Philosophin Friederike Schmitz die jüngste Entwicklung der Debatte und erklärt die Argumente zu den wichtigsten praktischen Fragen. Das Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich systematisch und aus ethischer Perspektive mit unserem Umgang mit Tieren beschäftigen möchten.

Weitere Infos gibt es hier!