Echte Fake News: Keine Konkurrenz von Trog und Teller

Fake News“ ist ja oft ein Kampfbegriff ohne viel Inhalt, aber hier trifft er mal genau zu: Agrarmedien verbreiten Falschmeldungen in eigenem Interesse und korrigieren nicht. Im Oktober veröffentlichte die Welternährungsorganisation eine neue Studie zur Frage, ob die Fütterung von Nutztieren eine Verschwendung von Ressourcen darstellt, die auch für die direkte menschliche Ernährung genutzt werden kann. Obwohl die Ergebnisse differenziert sind, titelten mehrere Agrarmedien und Lobbyorganisationen eindeutige – und dabei falsche – Botschaften.

Topagrar-Artikel
Pressedienst vom Bayerischen Bauernverband
Website „Frag doch mal den Landwirt!“
Rheinischer Landwirtschafts-Verband
Proplanta – Informationszentrum für die Landwirtschaft

Die Menge an Unrichtigkeit variiert dabei:

  • Eine glasklar falsche Zahlenangabe macht Topagrar, das wichtigste Agrarmedium, offenbar übernommen aus einer Agenturmeldung von Agra Europe: Sie schreiben, nur 13 % der globalen Getreideernte flössen in die Fleischproduktion. Dabei steht in der Studie wörtlich und ganz am Anfang, dass es ein Drittel sind. Auch über Facebook verbreitete sich der Artikel von Topagrar in der Agrarszene – allein dieser Artikel wurde 150 mal geteilt.  In Kommentaren haben ich und andere mehrfach auf den Fehler hingewiesen, die Meldung wurde jedoch nicht korrigiert. Als ich per Mail an die Redaktion um Richtigstellung bat und mit einer Beschwerde beim Deutschen Presserat drohte, wurde der Artikel auf der Website gelöscht – anstatt richtiggestellt, wie der Pressekodex fordert. Bei der Suche auf Topagrar findet man den Teaser noch immer, auch der Facebookpost inklusive falscher Zahl blieb unverändert bis heute. Die Meldung ist auf diesem Weg natürlich in zahlreichen anderen Medien gelandet. Auch Proplanta und der Rheinische Landwirtschaftsverband übernimmt die 13 %. Ich habe dann am 14. November die Beschwerde gegen Topagrar beim Presserat eingereicht und warte noch auf die Entscheidung.
  • Die Gesamtinterpretation der Studie stimmt nicht: Die Studie besagt mitnichten, dass es keine Konkurrenz zwischen Futtermittel- und Nahrungsmittelproduktion gibt. Erstens lautet das explizite Fazit der Studie anders: „These results allow to nuance the severity of the feed/food competition that is often put forward.“ Das Ergebnis ist also, dass die Schwere der Konkurrenz differenzierter zu betrachten ist bzw. dass die Konkurrenz weniger schwerwiegend sei, als oft behauptet wird. Nirgendwo wird behauptet, dass es keine Konkurrenz gibt. Zweitens stellt die Studie im Gegenteil klar, dass zur Zeit eine Menge Land zur Futtermittelproduktion genutzt wird, wo auch menschliche Nahrungsmittel angebaut werden könnten – das gilt sogar für einen Teil des vielbeschworenen Weideland. Auch die Zahl 86%, die von Agrarseite so gefeiert wird, ist anders zu bewerten: Zur Zeit sind 86% der Futtermittel nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Das liegt aber in vielen Fällen daran, dass sie extra für Tiere angebaut wurden – und man könnte natürlich auch etwas anderes anbauen.

Sehr fundierte Kritiken der Fehlinterpretation mit weiteten Informationen und Bewertungen wurden jetzt von Germanwatch und von der Albert-Schweitzer-Stiftung verfasst. Vielen Dank dafür!

Das alte Problem der Fake News bleibt allerdings: Die Richtigstellung verbreitet sich weit weniger als und nicht in denselben Kreisen wie die Falschmeldung. Und so bleibt die Falschmeldung in der Welt und wird auch immer wieder in Kommentaren zur Argumentation verwendet … Vielleicht hat es daher Sinn, nochmal alle Medien, wo sie auftauchte, zur Richtigstellung aufzufordern und ggf. Beschwerden einzureichen? Eine Sisyphusarbeit und damit wohl ein Lehrstück über Fake News …

 

Mini-Rezension: Tierethik – der Comic zur Debatte

Ich habe zwar vorher keine Lücke gesehen, aber dieses Buch füllt klarerweise eine: In Comic-Form erklärt es die Geschichte der Tierethik, wichtige aktuelle Argumente und Positionen sowie politische Strategien und Debatten der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Es ist fundiert, treffend, klug und an vielen Stellen ziemlich lustig, vor allem durch die gewitzten Zeichnungen.

Ich habe gestaunt, wie der Grafiker Oliver Hahn auch die abstraktesten philosophischen Begriffe originell veranschaulicht. Der Text stammt von Julia Kockel, die es ihrerseits schafft, komplexe Theorien kurz wiederzugeben, ohne sie zu verzerren oder zu sehr zu vereinfachen.

Ebenso beeindruckt war ich davon, wie die beiden ein so weites Themenfeld geschickt sortieren und so viele Aspekte des Mensch-Tier-Verhältnisses zumindest anreißen: Die Philosophie der Antike, die britischen Empiristen, das Verrohungsargument, die Anfänge der Tierrechtsbewegung, Mitleidsethik und Utilitarismus, Tierversuche und Zoos, vegane Konsumtrends, Bio-Lügen und Kapitalismuskritik, politische Utopien und illegale Aktionen, die Hauptsache-für-die-Tiere-Idee und Nazi-Tierschützer … um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und natürlich bin ich höchst geschmeichelt, dass eine gezeichnete Version von mir auch etwas sagen darf 😮

Top aktuell: Mit Doctor Who!

Ich kann das Werk also nur wärmstens empfehlen, sei es zu Bildungs- oder Unterhaltungszwecken, es erfüllt sie beide!

Julia Kockel/Olive Hahn, Tierethik. Der Comic zur Debatte, Paderborn 2017 (Wilhelm Fink-Verlag), 155 S., ISBN: 978-3-7705-6289-3, 19,90 Euro

Als Vertreterin der Tiere im Weltparlament

Was wäre, wenn die so genannten „Nutztiere“ politische Vertreter*innen in’s Parlament schicken könnten – was wären ihre Forderungen? Was wäre, wenn es nicht das deutsche Parlament wäre, sondern ein Weltparlament, wo lauter Akteur*innen sprechen, die heute keine politische Stimme haben? Das Theaterprojekt „General Assembly“ vom Schweizer Regisseur Milo Rau wird dieses Gedankenexperiment live vorführen – vom 3. bis 5. November in der Berliner Schaubühne.

Auf globaler Ebene existieren keine demokratischen Strukturen, die den Weltmarkt regulieren, völkerrechtliche Verstöße verfolgen oder ökologische Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten könnten. Die »General Assembly«, die 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in Berlin versammelt, füllt mit ihrem Entwurf eines tatsächlichen Weltparlaments diese Leerstelle. In fünf Plenarsitzungen fragen die Abgeordneten der »General Assembly«, wo wir als Weltgemeinschaft stehen und was zu tun ist – sozial, ökologisch, technologisch, politisch. Was bedeutet politische Souveränität im Zeitalter der Globalisierung? Wie verhalten sich die Interessen der Weltbevölkerung zu den demokratischen Prinzipien der Nationalstaaten? Wessen Forderungen nach Unabhängigkeit, Würde und Glück können zu den Forderungen der ganzen Menschheit werden? An die Stelle eines Lokalparlaments tritt ein Globalparlament, das die Mitglieder der neu gewählten deutschen Regierung auffordert, sich anzuschließen. Das erste Weltparlament der Menschheitsgeschichte, begleitet von einer Gruppe internationaler politischer Beobachter, gipfelt in der Verabschiedung der »Charta für das 21. Jahrhundert«.

Zu den Nicht-Vertretenen in den normalen Parlamenten gehören natürlich auch die Tiere! Ich bin als Abgeordnete der Tiere in den Tierfabriken eingeladen, ihre Interessen in der General Assembly zu vertreten. Im Vorfeld habe ich einen Text geschrieben, der in einem kleinen Büchlein im Merve-Verlag erscheint – und den ich hier im Blog veröffentliche.

Hier ist noch ein sehr anregendes Interview mit Milo Rau.

Für die Tiere in den Tierfabriken – Beitrag zur General Assembly

Ich spreche für die fühlenden Tiere auf der ganzen Welt, die für die Erzeugung von Fleisch, Milch und Eier gefangengehalten, ausgebeutet und getötet werden. Dazu gehören die Hühner, Puten, Schweine, Rinder und viele andere Tiere, die in gigantischen Zucht- und Mastanlagen, in Feedlots und in maschinisierten Eier- und Milchfabriken unter elenden Bedingungen ihr kurzes Leben fristen müssen, die verstümmelt werden, indem ihnen die Schwänze, Schnäbel oder Hörner abgeschnitten oder ausgebrannt werden. Dazu gehören auch die Kühe, die in kleinen Milchbetrieben im Sommer auf die Weide dürfen, aber jedes Jahr ihrer Kinder beraubt werden.

Dazu gehören auch die Hühner, die vermeintlich glückliche Eier legen, aber von Großkonzernen produziert und mutterlos in großen Hallen aufgezogen wurden, und dazu gehören die Brüder dieser Hühner, die schon als Küken bei vollem Bewusstsein umgebracht wurden. Dazu gehören die Enten und Gänse, die nie schwimmen durften, die Kaninchen, die in kleinen Käfigen auf Drahtboden gemästet werden.

Dazu gehören viele weitere Tiere, die ihre natürlichen Bedürfnisse nach Gesundheit, Bewegung, Abwechslung oder Familienleben nicht ausleben können, weil sie nicht als fühlende Individuen zählen, sondern als Waren und Ressourcen zur Erzeugung von Produkten, die keiner braucht. Dazu gehören all die Tiere, die in Schlachtfabriken und Metzgereien brutal und oft unter grausigen Schmerzen um’s Leben gebracht werden.

Weltweit fallen pro Jahr über 60 Milliarden Landtiere, nämlich Säugetiere und Vögel, der Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern zum Opfer. Allein in Deutschland beläuft sich die Zahl auf über 750 Millionen jährlich geschlachtete Tiere.

Diese gigantische Ausbeutungs- und Tötungsmaschinerie wird von geltenden Gesetzen legitimiert sowie von den herrschenden Regierungen ideologisch und finanziell unterstützt und gefördert – und das, obwohl nicht nur die Tiere die Leidtragenden sind, sondern die Tierindustrie für weitere fatale Probleme wie prekäre Arbeitsbedingungen, Landraub für Futtermittel, Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung und nicht zuletzt den Klimawandel mit verantwortlich ist. All das kann auch nicht im Sinne der menschlichen Bevölkerung sein.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen die Grausamkeit gegenüber Tieren ablehnen und sich von Bildern aus der üblichen Tierhaltung geschockt zeigen. Zugleich liegt die Alternative klar auf der Hand: Eine pflanzliche Ernährung ist, wie die aktuelle Wissenschaft bestätigt, für alle Menschen möglich und sogar häufig mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden.

Dass trotz alledem die Tierindustrie nicht schrumpft, sondern im Gegenteil stetig wächst, lässt sich nur durch die herrschenden Machtverhältnisse und Interessenlagen erklären: Wenige große und international tätige Unternehmen geben in der Tierindustrie den Ton an, profitieren von der Gewalt und beeinflussen über ihre Lobbyinstitutionen die Bevölkerung und die Politik.

Die Tiere selber haben keine Möglichkeit, sich gegen dieses Unrecht aufzulehnen und für ihre Befreiung aus der Unterdrückung einzutreten – auch wenn immer wieder einzelne Tiere aus Ställen und Schlachthöfen ausbrechen und verzweifelt ihre Freiheit und ihr Leben zu retten versuchen. Sie haben gegen die Übermacht der Menschen und ihrer Nutzungsinteressen keine Chance. Die Ausgebrochenen werden gewöhnlich kurzerhand erschossen.

Deshalb brauchen die Tiere uns Menschen, die für ihre Bedürfnisse und Rechte kämpfen. Es ist nicht fair, fühlende Wesen wie Waren und Produktionsmittel zu handeln, einzusperren, zu verstümmeln, ihre Körper auszubeuten, ihre Familien zu zerstören, ihre Bedürfnisse zu missachten und sie schlussendlich gewaltsam zu töten – das sagt uns nicht nur ein gesunder Sinn für Gerechtigkeit, sondern auch unser Mitgefühl klar und deutlich, sobald wir uns trauen, darauf zu hören.

Ich fordere daher im Namen der Tiere: Die Generalversammlung möge sich dazu bekennen, dass Rinder, Schweine, Hühner und viele andere Tiere fühlende Wesen sind, die unseren Respekt und unsere Rücksicht verdienen. Die Generalversammlung möge außerdem anerkennen, dass es mit solchem Respekt und Rücksicht nicht vereinbar ist, die Bedürfnisse und Interessen von Tieren für die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern zu verletzen, zumindest solange eine andere Nahrungsmittelversorgung möglich ist.

Die General Assembly möge daher alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um erstens der Tierindustrie die Unterstützung zu entziehen und deren Macht zu verkleinern, um zweitens das Bewusstsein für das Leid und das Verständnis für die Interessen der Tiere in der Bevölkerung zu vergrößern, und um drittens eine Umstellung der gesamten Ernährungswirtschaft weg von der Tierproduktion und hin zu einer pflanzlichen – und ökologischen – Landwirtschaft voranzutreiben.

Weitere Texte von anderen Abgeordneten: https://www.merve.de/index.php/book/show/509
Mehr über die General Assembly: http://www.general-assembly.net/

Neu: Tagesseminare

Ab Dezember biete ich verschiedene Tagesseminare an, in denen es zunächst um ethische und politische Fragen zum Mensch-Tier-Verhältnis gehen wird – für alle Menschen, die mehr zu diesen Fragen erfahren und Theorien und Argumente diskutieren möchten! Die Teilnahmegebühr richtet sich nach dem Einkommen der Teilnehmenden, um es möglichst fair zu gestalten. Alle Themen, Termine und Preise gibt es hier: https://friederikeschmitz.de/veranstaltungen/tagesseminare/

„Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“

Wer aus Tierschutzgründen gegen eine vegane Ernährung von Hunden ist, hat wahrscheinlich nicht an alle betroffenen Tiere gedacht. Kritiker*innen der veganen Hundeernährung müssen mindestens zugestehen, dass aus ethischer Sicht eine Zwickmühle vorliegt.

„Einen Hund vegan zu ernähren, ist nicht artgerecht!“ – „Ihr zwingt dem Tier eure Ideologie auf!“ – „Wenn der Hund frei entscheiden könnte, würde er doch Fleisch essen!“ – „Das arme Tier!“

Das sind recht häufig anzutreffende Meinungen zu vegan ernährten Hunden. Folgendes möchte ich zu den Menschen sagen, die diese Meinungen vertreten.

Ich finde Ihre Sichtweise bemerkenswert, und zwar aus folgendem Grund: Sie argumentieren ethisch im Sinne des Hundes – also es geht hier nicht um die Bedürfnisse, Profitinteressen oder Bequemlichkeiten von Menschen wie sonst beim Fleischkonsum, sondern um das Wohl von Tieren.

Rennender_Hund_2Sie gehen offenbar davon aus, dass es nicht in Ordnung ist, ein Tier – in diesem Fall einen Hund – an einem artgerechten Leben zu hindern, einem Tier eine Ideologie aufzuzwingen und seine Entscheidungsfreiheit einzuschränken.

In Anbetracht dessen äußern Sie auch Mitgefühl oder Empörung angesichts der Behandlung des Hundes, die aus Ihrer Sicht ungerecht ist. Nehmen Sie diese ethischen Prinzipien wirklich ernst? Denn wenn ja, müssten Sie diese doch auch auf andere Tiere anwenden, oder nicht? Schließlich gibt es keinen Grund, warum ein Hund – zumal ein Hund, den Sie gar nicht kennen – mehr zählen sollte oder höhere Ansprüche geltend machen könnte als ein Schwein oder ein Rind. Stimmen Sie soweit zu?

Dann müssten Sie doch anerkennen, dass Ihre Prinzipien in der Produktion von Fleisch und anderen Tierprodukten systematisch gebrochen werden. „Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“ weiterlesen

Leserbrief zu Werbung an Schulen

Bild Peta ArtikelAm 11. September erschien in der shz-Landeszeitung ein Artikel über die Verschickung von Infomaterial an Schulen durch die Tierschutz-/Tierrechtsorganisation PETA. Dazu habe ich einen Leserbrief verfasst. Außerdem habe ich dem Bildungsministerium geschrieben, das im Artikel mit den Worten zitiert wurde, es sei alarmiert und würde den Vorgang rechtlich und fachlich prüfen. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie im Falle einer Prüfung auch das Material der „Gegenseite“, nämlich des Bauernverbandes, unter die Lupe nehmen müssten, wie ich das auch im Leserbrief empfehle. Bin gespannt, ob und was sie antworten. Hier der Leserbrief an die Zeitung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel „Bloß kein Tier auf dem Teller: Peta wirbt an Schulen für vegane Ernährung“. Ich kann die Sorge verstehen, dass Kinder ideologisch beeinflusst werden, und die Auszüge aus den Info-Materialien von Peta klingen auch nicht nach neutraler Information. Ich möchte aber dreierlei zu bedenken geben:

1. Dass Tiere in heutigen Tieranlagen massiv leiden, lässt sich nicht vernünftig leugnen. Auch dass z.B. Kälber von ihren Müttern getrennt werden und das für sie negative Folgen hat, ist kaum abzustreiten. Ebenso klar ist, dass der Fleisch- und Tierproduktkonsum Umwelt und Klima schädigt. Vor diesem Hintergrund ist eine Verringerung des allgemeinen Tierproduktkonsums im Interesse aller – Menschen und Tiere – dringend geboten.

2. Was die Gesundheit betrifft, so kommt z.B die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung, die weltgrößte Ernährungsorganisation, zu einer anderen Einschätzung als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – eine gut geplante vegane Ernährung ist demnach für alle Lebensphasen geeignet. (Sie schrieben von „Fachverbänden“ – welche anderen Verbände als die DGE waren gemeint?) Umgekehrt ist wichtig zu sehen, dass viele Krankheiten heute mit hohem Tierproduktkonsum verbunden sind, der vielen Kindern im Elternhaus und auch durch die Schule und das übliche Kantinenessen angewöhnt wird. Da wird eben nicht nur gelegentlich eine Frikadelle serviert, wie Sie unter der Hand nahelegen.

3. Wenn Sie die PETA-Materialien bedenklich finden, sollten Sie sich bitte auch die Materialien der „Gegenseite“ anschauen, auf die im Artikel recht unkritisch Bezug genommen wird: „Kooperationen mit dem Bauernverband“. Die Schulmaterialien vom Verein medien.information.agrar (i.m.a.), der vom Bauernverband getragen wird, sind nachweisbar beschönigend und enthalten Falschaussagen. Es wird ein rosiges Bild der Tierhaltung gezeichnet und das Leiden der Tiere und andere negative Effekte der Tierproduktion schlicht unterschlagen. Auf dieser Grundlage können die Schüler*innen vielleicht Interesse an der Landwirtschaft, aber keine begründete Meinung dazu bilden.
In einem Schulplakat über Schweinehaltung heißt es z. B. über die konventionellen Stallabteile: „In den großen Buchten haben sie [die Schweine] genügend Platz.“ Dabei sind die Buchten nur 0,75 qm pro Schwein bis 110 kg groß und die Schweine können eine Vielzahl natürlicher Bedürfnisse dort nicht ausleben, wie auch der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltung feststellt. Das Leben in dieser Enge ist für die empfindsamen und neugierigen Tiere eine Qual. Weitere Beispiele für Beschönigung im i.m.a.-Schulmaterial finden Sie u.a. hier: http://agrarlobby.de/verbaende/bauernverband/i-m-a/

Bitte berichten Sie doch auch einmal über diese einseitige Beeinflussung von SchülerInnen!

Mit freundlichen Grüßen
Friederike Schmitz

Neues Buch: Tierethik kurz + verständlich

tierethik cover komplett_finalMein neues Buch ist ab heute als E-Book verfügbar und erscheint als Taschenbuch am Montag (4.9.2017) bei compassion media. Hier der Klappentext:

Gehören alle Schlachthöfe abgeschafft? Spricht etwas dagegen, sich einen Hund zu kaufen? Ist es richtig, an Mäusen Medikamente zu testen?

Die Meinungen zum richtigen Umgang mit Tieren gehen weit auseinander. Die Gründe für die unterschiedlichen Positionen untersucht eine eigenständige philosophische Disziplin: die Tierethik.

In dieser verständlichen Einführung schildert die Philosophin Friederike Schmitz die jüngste Entwicklung der Debatte und erklärt die Argumente zu den wichtigsten praktischen Fragen. Das Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich systematisch und aus ethischer Perspektive mit unserem Umgang mit Tieren beschäftigen möchten.

Weitere Infos gibt es hier!

 

Marsmenschen lesen top agrar

… ugreen-163507_960_720nd wundern sich, wie seltsam unsere Gesellschaft organisiert ist.

Demokratie heißt, so haben die Marsmenschen bei ihrem letzten Besuch auf der Erde erzählt bekommen, dass die Menschen selber bestimmen, wie sie zusammenleben und wichtige Dinge gemeinsam regeln wollen. Jetzt lesen die Marsmenschen die Landwirtschaftszeitung top agrar, Printausgabe vom Ende September, und sind verwirrt. Schon im Editorial geht es los. Da heißt es, eine Ministerin habe Vorschläge für die Agrarpolitik gemacht, die nicht allen Leuten gefallen. Wenn die SPD-Frau sich durchsetzt, so wären die Folgen klar, steht da:

„Wir hätten dann landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Tiere so hielten und ihr Getreide so anbauten, wie sich das die Verbraucher erträumen.“p1060471

Moment mal, denken die Marsmenschen – zur Zeit ist das also nicht der Fall? „Wir haben Akzeptanzprobleme beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung.“ Das ist doch komisch. Sie müssen bei der Erklärung der Demokratie etwas missverstanden haben, denken die Marsmenschen. Marsmenschen lesen top agrar weiterlesen

Wissenschaftlich bestätigt: Elendes Schweineleben

Bild von Schwein

Eigentlich ist ja alles offenkundig und längst bekannt: Für intelligente, neugierige Tiere mit empfindlichen Nasen und komplexen Verhaltensbedürfnissen sind die Haltungsbedingungen in der Schweinemast grausam und schrecklich.

Trotzdem wird ständig von Seiten der Tierindustrie behauptet, den Schweinen ginge es gut, ihre Gesundheit sei im Eigeninteresse des Betriebs, der Spaltenboden sei toll für sie und mit dem vorgeschriebenen Spielzeug könnten sie sich in den kargen vollgekoteten Buchten prima amüsieren.

Gleichzeitig wird gerne betont, die Einwände von Tierschutz- und Tierrechtsseite seien unsachlich, emotionsbasiert und nicht wissenschaftlich. All das ist Quatsch. Abgesehen davon, dass schon ein rudimentäres Verständnis davon, was Schweine für Tiere sind, ausreicht, um die Bedingungen bei der einfachen Anschauung als furchtbar zu erkennen – die von der Industrie so hoch gelobte Wissenschaft bestätigt selbst immer wieder, wie elend das Schweineleben ist. Wissenschaftlich bestätigt: Elendes Schweineleben weiterlesen

Alternativen statt Lösungen! Rezension

auskontrolliertemraubbau2Kathrin Hartmanns Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ beginnt mit der Beschreibung einer Realsatire: Der Deutsche Nachhaltigkeitstag im Jahr 2013. Die Industrie feiert sich selbst für Umweltschutz und Ressourcenschonung – begleitet von einem Showprogramm mit aus den USA eingeflogenen Stars und einem Festessen, das ausschließlich aus Fisch und Fleisch besteht.  Unter den Gästen wie den Sponsoren sind zahlreiche Großkonzerne, die nicht gerade für ihr Öko-Engagement bekannt sind – Unternehmen wie Bayer, BMW, Coca-Cola, Henkel, Lufthansa, Siemens oder Unilever. Diese Unternehmen verdienen Geld durch gigantischen Verbrauch von Ressourcen und Energie im Rahmen des kapitalistischen Wachstumsmodells, das bis heute in Politik und Wirtschaft unhinterfragtes Dogma ist, ungeachtet all der fundierten Kritik daran. Alternativen statt Lösungen! Rezension weiterlesen