Wissenschaftlich bestätigt: Elendes Schweineleben

Bild von Schwein

Eigentlich ist ja alles offenkundig und längst bekannt: Für intelligente, neugierige Tiere mit empfindlichen Nasen und komplexen Verhaltensbedürfnissen sind die Haltungsbedingungen in der Schweinemast grausam und schrecklich.

Trotzdem wird ständig von Seiten der Tierindustrie behauptet, den Schweinen ginge es gut, ihre Gesundheit sei im Eigeninteresse des Betriebs, der Spaltenboden sei toll für sie und mit dem vorgeschriebenen Spielzeug könnten sie sich in den kargen vollgekoteten Buchten prima amüsieren.

Gleichzeitig wird gerne betont, die Einwände von Tierschutz- und Tierrechtsseite seien unsachlich, emotionsbasiert und nicht wissenschaftlich. All das ist Quatsch. Abgesehen davon, dass schon ein rudimentäres Verständnis davon, was Schweine für Tiere sind, ausreicht, um die Bedingungen bei der einfachen Anschauung als furchtbar zu erkennen – die von der Industrie so hoch gelobte Wissenschaft bestätigt selbst immer wieder, wie elend das Schweineleben ist. Wissenschaftlich bestätigt: Elendes Schweineleben weiterlesen

Alternativen statt Lösungen! Rezension

auskontrolliertemraubbau2Kathrin Hartmanns Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ beginnt mit der Beschreibung einer Realsatire: Der Deutsche Nachhaltigkeitstag im Jahr 2013. Die Industrie feiert sich selbst für Umweltschutz und Ressourcenschonung – begleitet von einem Showprogramm mit aus den USA eingeflogenen Stars und einem Festessen, das ausschließlich aus Fisch und Fleisch besteht.  Unter den Gästen wie den Sponsoren sind zahlreiche Großkonzerne, die nicht gerade für ihr Öko-Engagement bekannt sind – Unternehmen wie Bayer, BMW, Coca-Cola, Henkel, Lufthansa, Siemens oder Unilever. Diese Unternehmen verdienen Geld durch gigantischen Verbrauch von Ressourcen und Energie im Rahmen des kapitalistischen Wachstumsmodells, das bis heute in Politik und Wirtschaft unhinterfragtes Dogma ist, ungeachtet all der fundierten Kritik daran. Alternativen statt Lösungen! Rezension weiterlesen

Ein Nebengedanke zu Silvesterköln

Was mich ja an der Instrumentalisierung der gruseligen Silvesterereignisse an den Bahnhöfen als „Argument“ gegen Flüchtlinge auch aufregt – also neben der rassistischen Pauschalisierung der Täter – ist die meist implizite Idee, dass sexuelle Gewalt besonders schlimm ist, wenn sie „hier bei uns“ passiert. Also angenommen, die Täter waren tatsächlich mehrheitlich Männer mit Migrationshintergrund, was genau ist dann gewonnen, wenn man sie aus dem Land schmeißen würde bzw. gar nicht erst reingelassen hätte? (Mal abgesehen von dem Problem, dass man natürlich wenn dann lauter Unschuldige rausschmeißen bzw. abwehren müsste, und dass die Täter auch gar keine aktuellen Flüchtlinge waren.)
Wird erwartet, dass diese Männer dann „woanders“ plötzlich zu friedlichen Antisexisten werden? Dort „woanders“ leben auch Frauen, die’s dann ausbaden müssten. Das aber nicht deshalb, weil diese Täter quasi notwendig und charakterlich Gewalttäter sind. Solche Taten wie an den Hauptbahnhöfen lassen sich einerseits plausibel nur mit fatalen Gruppendynamiken erklären. Und außerdem hängt sexuelle Gewalt auch stark von Umweltumständen ab.
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Gesellschaftlichen Wandel kann man nicht kaufen

Spenden statt politisch aktiv werden?

Eine Kritik an einer These des Effektiven Altruismus

Gemeinsamer Beitrag mit Sandra Franz

In letzter Zeit ist in der Tierrechtsszene und anderswo immer mehr vom „Effektiven Altruismus“ die Rede. Dessen Grundidee ist, dass wir aus moralischen Gründen versuchen sollten, unsere zeitlichen und finanziellen Ressourcen möglichst effizient einzusetzen, um möglichst viel Leid zu vermindern bzw. möglichst vielen empfindenden Wesen möglichst viel zu helfen. So weit, so gut.

geldImmer wieder wird aber jetzt konkreter behauptet, viele Menschen könnten sich am effektivsten dadurch engagieren, dass sie möglichst viel Geld verdienen und dieses Geld dann spenden. Die Bewegung brauche möglichst viele Vollzeitaktivist_innen, und wer die Chance habe, in der freien Wirtschaft ordentlich Kohle zu machen, könnte das tun und auf diese Weise mehrere Vollzeitaktivist_innen finanzieren. Generell sollten alle Menschen, denen Tierbefreiung am Herzen liegt, nicht nur vegan leben, sondern viel spenden. Dabei sei es dann noch entscheidend, dass man an möglichst effiziente Organisationen spende, und welche das seien, lasse sich mit wissenschaftlichen Methoden messen.

Wir finden diese Idee auf verschiedenen Ebenen höchst problematisch und möchten in diesem Text erklären, warum. Unsere Gegenthese lautet: Spenden für gute Organisationen ist eine prima Sache, aber unsere zentrale Forderung als Tierrechts- und Tierbefreiungsaktivist_innen sollte lauten: Werdet selbst aktiv! Engagiert euch politisch!

Was die Bewegung am nötigsten hat, ist nicht mehr Geld und finanzkräftigere professionelle Organisationen, sondern mehr Graswurzelaktivismus. Denn um grundlegende gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen, braucht es viele selbstdenkende, aktive, vernetzte Menschen, nicht wenige professionelle Organisationen und ein Heer von Spender_innen. Das ist nicht gegen die Grundidee des Effektiven Altruismus gerichtet. Es ist ein sinnvolles Ziel, große Verbesserungen für viele empfindende Lebewesen erreichen zu wollen. Um das zu erreichen, müssen wir aber eine wachere und aktivere Gesellschaft werden – nicht primär eine spendende Gesellschaft.

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ZDF-Doku ‚Aus Liebe zum Tier‘: Stellungnahme eines portraitierten Aktivisten

Vor einigen Tagen sendete das ZDF eine Dokumentation über die Tierrechtsbewegung, an der es schon viel Kritik gab. Den folgende Text hat einer der portraitierten Aktivisten, Philipp Waldnah (im Beitrag bezeichnet als Jan-Philipp Wiesjahn) als Kommentar auf der ZDF-Facebookseite veröffentlicht. Philipps individuelle Grammatik wurde im Folgenden normalisiert und eine Namensnennung entfernt, ansonsten wurde nichts verändert.

Ich poste den Text hier, weil ich ihn relevant und lesenwert finde und einige der Kritikpunkte teile. Auch denke ich, dass eine Person, die in dem Film eine Rolle spielt, aber nur kurz zu Wort kommt, mit ihrer eigenen Sichtweise auf den Film gehört werden sollte. Ich selbst finde auch vieles an der Dokumentation positiv erwähnenswert und werde voraussichtlich in den nächsten Tagen noch einen eigenen Beitrag dazu posten.

Die unkritische Theorie der Mainzer Schule

Das Hauptthema der Dokumentation waren also mal wieder die Militanz, die vermeintliche Gewalttätigkeit und die so genannte Kriminalität der Tierrechtsbewegung. Das zeichnete sich zunächst bereits ab durch die Wahl des Sendungstitels („[…] Wie weit dürfen Aktivisten gehen?“) und die Ausrichtung der Ankündigungstexte, wurde dann umgesetzt durch die Auswahl der gesendeten Interviewbeiträge und Verweise auf Statistiken und Aussagen der deutschen und britischen Polizei, und gipfelte schließlich in dem nebulösen Schlussstatement: „Der Philosoph sagt uns noch, dass Veränderungen ihre Zeit brauchen. Einigen dauert das wohl zu lange. Sie gehen zu weit – aus Liebe zum Tier.“ Welche Leute mit welchem Handeln aus welchen Gründen zu weit gegangen sein sollen, wird nicht so wirklich gesagt. Hauptsache scheint zu sein, dass der Öffentlichkeit mal wieder klargemacht wird, dass es böse Tierrechtler*innen gibt.

Als der Kontakt zwischen mir und Michael Strompen zu Stande kam, wurde mir suggeriert, es solle eine Dokumentation über die Tierrechtsbewegung produziert werden, ihre Ideen, die Ziele, die Methoden, verschiedenen Aktionsfelder und Gruppen sowie Repression. Das klang deutlich vielfältiger, als das, was das ZDF schließlich daraus gemacht hat. ZDF-Doku ‚Aus Liebe zum Tier‘: Stellungnahme eines portraitierten Aktivisten weiterlesen

Mail einer Biobäuerin

Folgende Mail wurde schP1050981on vor einigen Wochen von einer Biobäuerin aus Süddeutschland an den Verein „Die Tierbefreier e.V.“ geschickt. Ich finde einige Punkte durchaus bedenkenswert und die Themen generell diskussionswürdig, weshalb ich die Mail hier (mit Einverständnis der Autorin) veröffentliche. Im Anschluss sind meine Überlegungen und Kommentare dazu. Mail einer Biobäuerin weiterlesen