„Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“

Wer aus Tierschutzgründen gegen eine vegane Ernährung von Hunden ist, hat wahrscheinlich nicht an alle betroffenen Tiere gedacht. Kritiker*innen der veganen Hundeernährung müssen mindestens zugestehen, dass aus ethischer Sicht eine Zwickmühle vorliegt.

„Einen Hund vegan zu ernähren, ist nicht artgerecht!“ – „Ihr zwingt dem Tier eure Ideologie auf!“ – „Wenn der Hund frei entscheiden könnte, würde er doch Fleisch essen!“ – „Das arme Tier!“

Das sind recht häufig anzutreffende Meinungen zu vegan ernährten Hunden. Folgendes möchte ich zu den Menschen sagen, die diese Meinungen vertreten.

Ich finde Ihre Sichtweise bemerkenswert, und zwar aus folgendem Grund: Sie argumentieren ethisch im Sinne des Hundes – also es geht hier nicht um die Bedürfnisse, Profitinteressen oder Bequemlichkeiten von Menschen wie sonst beim Fleischkonsum, sondern um das Wohl von Tieren.

Rennender_Hund_2Sie gehen offenbar davon aus, dass es nicht in Ordnung ist, ein Tier – in diesem Fall einen Hund – an einem artgerechten Leben zu hindern, einem Tier eine Ideologie aufzuzwingen und seine Entscheidungsfreiheit einzuschränken.

In Anbetracht dessen äußern Sie auch Mitgefühl oder Empörung angesichts der Behandlung des Hundes, die aus Ihrer Sicht ungerecht ist. Nehmen Sie diese ethischen Prinzipien wirklich ernst? Denn wenn ja, müssten Sie diese doch auch auf andere Tiere anwenden, oder nicht? Schließlich gibt es keinen Grund, warum ein Hund – zumal ein Hund, den Sie gar nicht kennen – mehr zählen sollte oder höhere Ansprüche geltend machen könnte als ein Schwein oder ein Rind. Stimmen Sie soweit zu?

Dann müssten Sie doch anerkennen, dass Ihre Prinzipien in der Produktion von Fleisch und anderen Tierprodukten systematisch gebrochen werden.

Schließlich können die Tiere typischerweise ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben, weil sie im Stall so wenig Platz haben. Auch von einem artgerechten Futter kann keine Rede sein – Schweine zum Beispiel bekommen einen strukturlosen Brei, den sie in kurzer Zeit aufgegessen haben. In der Natur verbringen sie sehr viel Zeit damit, Wurzeln und Kleintiere unter der Erde hervorzuwühlen. Rinder bekommen Kraftfutter serviert, anstatt grasen zu können. Für sie ist das Futter oft sogar gesundheitlich problematisch, weil ihre Verdauung gar nicht darauf ausgerichtet ist. Auch andere Tiere wie Hühner, Puten oder Enten können in der Nutztierhaltung kein artgerechtes Leben führen.

Kann man dann nicht auch sagen, dass den Tiere eine Ideologie aufgezwungen wird?

Nämlich die, dass sie eigentlich Waren und Produktionsmittel zur Erzeugung von Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern sind? Ihr Leben ist von dieser Einstellung ihnen gegenüber vollständig bestimmt. Es geht bei der Nutztierhaltung nicht um die Bedürfnisse der Schweine, Rinder oder Hühner, sondern um die Interessen der Menschen. Nach einem meist sehr kurzen Leben werden die Tiere dann, wiederum im Namen einer menschlichen Ideologie, getötet. Deshalb sind diese Tiere natürlich auch ihr ganzes Leben lang alles andere als frei.

25660525490_1b757892b3_zWenn diese Tiere selbst entscheiden könnten, würden sie nicht nur etwas anderes fressen, sie würden die engen Buchten und überfüllten Ställe verlassen, sie würden sich nicht verstümmeln lassen, sie würden viel länger ihre Kinder versorgen, als es ihnen in der Nutztierhaltung zugestanden wird, und sie würden sich bestimmt nicht freiwillig zur Schlachtung anmelden.

Vor diesem Hintergrund müssten auch Sie doch ebenfalls für diese Tiere Mitleid und Empörung übrighaben und sagen können, „Die armen Tiere!“, oder nicht?

Wenn das aber so ist – wenn Ihre ethischen Prinzipien in der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern systematisch verletzt werden – dann können Sie doch verstehen, warum manche Menschen es ablehnen, diese Produkte zu kaufen, oder? Betrachten wir zunächst mal die eigene Ernährung.

Wir Menschen können uns selber ja gut und gesund vegan ernähren. Tun Sie das? Wenn nicht, wie ist das mit Ihren ethischen Prinzipien vertretbar?

Vielleicht konsumieren Sie nur ganz ausgewählte Tierprodukte, bei denen Sie meinen, dass die Tiere artgerecht und frei leben konnten. Aber ist das wirklich überzeugend? Wissen Sie wirklich, wie es den Rindern auf einem demeter-Hof ergeht? Sie haben noch Hörner, schön und gut. Aber Ihre Kälber werden ihnen auch dort weggenommen – sicher nicht freiwillig. Oder konsumieren Sie nur Produkte von Betrieben mit muttergebundener Kälberaufzucht? Was passiert dort mit den männlichen Kälbern? Und wie freiwillig ist dort das Lebensende aller Tiere? Und wie steht es mit den Hühnern? So gut wie kein wirtschaftlich genutztes Küken wird ja noch von seiner Mutter aufgezogen, wie es doch artgerecht wäre. Und was sagen Sie dazu, dass auch auf allen Bio-Betrieben natürlich die wirtschaftlich nicht mehr rentablen Tiere getötet werden müssen? Ist das mit Ihrer Idee vertretbar, dass wir Tieren keine Ideologie aufzwingen und ihre Entscheidungsfreiheit nicht einschränken sollten?

Kommen wir mal ab von der menschlichen Ernährung. Vielleicht leben Sie selber vegan, oder aber Sie können diese Lebensweise zumindest vor dem Hintergrund Ihrer eigenen ethischen Prinzipien befürworten.

Was ergibt sich nun für die Ernähung von Hunden? Ich denke, Sie müssen zugeben, dass Sie und ethisch motivierte Veganer*innen hier mindestens vor einem Dilemma stehen, also einer Zwickmühle.

Auf der einen Seite wollen Sie die Freiheit und die artgemäßen Bedürfnisse des Hundes respektieren. Auf der anderen Seite wollen Sie die Praxis der Nutztierhaltung, die Tieren genau wesentliche Freiheiten nimmt und ihre Bedürfnisse missachtet, nicht unterstützen. Beides zusammen geht im Normalfall nicht. Wenn wir das Problem so beschreiben, gibt es hier also keine einfache Lösung – Ihre Aussagen, die ich zu Beginn zitiert habe, klingen aber so, als ob Sie genau von einer solchen einfachen Lösung ausgehen. „Respektiert die Bedürfnisse des Hundes und gebt ihm Fleisch“, scheinen Sie zu denken. Genau damit würden Sie aber die Bedürfnisse der Tiere missachten, aus denen das Fleisch gemacht wird! Es ist also kompliziert.

An diesem Punkt, wo wir von einem Dilemma ausgehen, müssen wir abwägen. Wir müssen uns also fragen: Wie schlimm ist es für den Hund, vegan ernährt zu werden – im Vergleich dazu, wie schlimm die Situation für die Rinder, Schweine, Hühner oder Enten ist.

Auch das könnte noch zu einfach gedacht sein, schließlich haben wir auf die Situation der so genannten Nutztiere nicht so einen direkten Einfluss wie auf die des Hundes. Aber beginnen wir mit der ersten Frage.

Bis auf einzelne Hunde mit bestimmten gesundheitlichen Problemen ist eine vegane Ernährung für Hunde gesundheitlich verträglich – das hat zumindest meine Recherche ergeben (zum Start z.B. hier). Wichtig zu sehen ist hier erstens, dass manche Tierärzte gerade umgekehrt vor einer Ernährung mit “normalem” Futter aus Industriefleisch warnen. Zweitens müssen Sie wissen, dass Hunde keine Wölfe mehr sind, die tatsächlich auf Fleisch angewiesen sind. Hunde haben im Laufe der Gewöhnung an das Leben bei Menschen die Fähigkeit erworben, pflanzliche Stärke zu verdauen. Sie können viele wichtige Nährstoffe aus Pflanzen gewinnen. Andere kann man dem Futter zusätzlich beimischen. Zumindest für einige Hunde scheint eine vegane Ernährung tatsächlich besonders gesund zu sein. Ich kenne selber viele, die damit quietschfidel sehr alt geworden sind, was natürlich nur anekdotische Hinweise sind.

Was den Vorwuwolf-631539_960_720rf „nicht artgerecht“ betrifft, so sollten Sie bedenken, dass eine Fütterung mit industriell aufgezogenen Puten oder Rindern ja eigentlich auch nicht artgerecht ist. Warum verengen Sie die Frage auf die Auswahl „Fleisch“ oder „kein Fleisch“, anstatt zu überlegen, was eigentlich ein artgerechtes Nahrungsangebot wäre und auch ein artgerechtes Nahrungsbeschaffungsverhalten? Hier wird es schnell wieder sehr kompliziert.

Sollten Hunde nicht vielleicht ihr Futter selber jagen – und zwar wie Wölfe im Rudel? Ist es nicht unfair, dem Hund dieses Erlebnis zu verwehren?

Hier würde mich interessieren, wie genau Sie den Begriff der Artgerechtheit ausbuchstabieren und anwenden.

Ich selber habe allgemein Schwierigkeiten mit dem Begriff der Artgerechtheit – ich verwende ihn kaum. Ich denke nämlich, dass es für Tiere vor allem darauf ankommt, dass sie möglichst selbstbestimmt ihre Bedürfnisse befriedigen können und ein ausgefülltes, möglichst glückliches Leben haben. Die Bedürfnisse hängen natürlich von der Art des Tieres ab. Aber Artgerechtheit ist für Tiere quasi nicyorkshire-terrier-171701_960_720ht an sich wichtig, sondern nur, insofern sie unter einer nicht-artgerechten Behandlung leiden. Wenn sich Schweine nicht bewegen können oder Hunde den ganzen Tag in der Wohnung sitzen und sich langweilen, dann ist das ein klarer Fall von Leid. Darüber sprechen Sie übrigens gar nicht!

Ich denke, solange das Futter einigermaßen lecker ist und den Hund gesund hält, ist es nicht besonders schlimm, wenn es nicht „artgerecht“ ist, was immer das überhaupt heißt – Hauptsache das Futter schadet nicht und dem Hund fehlt nichts.

Oder wollen Sie behaupten, dass der Hund unter der veganen Fütterung tatsächlich für ihn selbst merkbar leidet? Können Sie das belegen?

Wie ist es mit dem Aufzwingen einer Ideologie und der Entscheidungsfreiheit?

Es könnte sein, dass viele Hunde, vor die Wahl gestellt, ein Futter mit Fleisch vorziehen würden. (Es käme natürlich auch auf die Ausgestaltung der beiden Alternativen an.) Aber wie schlimm ist es, in diesem Punkt dem Hund nur eingeschränkte Wahlmöglichkeiten zu gewähren?

Als Tier, daspuppy-games-662806_960_720 bei einem Menschen lebt, wird der Hund in so gut wie allen Aspekten seines Lebens fremdbestimmt. Nicht nur, was er isst, sondern wo er lebt, wann er drinnen, wann er draußen ist, wo er dann hingehen darf, mit welchen anderen Menschen und Hunden er sich wann und wie sozialisieren darf, wird für ihn entschieden. All das ist aus tierethischer Sicht, also wenn wir die Freiheit des Hundes wertschätzen, natürlich ein Problem. Ich denke, wir sollten den so genannten Haustieren viel mehr Freiheit ermöglichen, als sie gewöhnlich haben. Das ist übrigens auch ein Grund für mich, gegen die Züchtung und den Handel mit Hunden zu sein. Sehen Sie das auch so? Kritisieren Sie die anderen Unfreiheiten ebenso wie die Vorgabe der Ernährung?

Aus meiner Sicht ist die Tatsache, dass der Hund sich für Fleisch entscheiden würde, zwar ein Grund für eine fleischhaltige Fütterung – aber kein Grund, der für sich hinreichend ist. Es gibt eben Gründe, die dagegen sprechen: Wenn wir fleischhaltiges Futter kaufen, unterstützen wir damit eine gewaltvolle Industrie, die anderen Tieren schreckliches Leid zufügt.

Es ist zwar kaum möglich, die Gründe sinnvoll zu quantifizieren – also wie schwer wiegt der Schaden für den Hund im Vergleich zu dem Schaden, den ich durch den Kauf von Fleisch anderen Tieren zufüge? – aber aus meiner Sicht ist der Schaden für den Hund so gering bis gar nicht vorhanden, dass meine Abwägung für den Normalfall zugunster der veganen Ernährung ausgeht. Wie sieht Ihre Abwägung aus?

Nun können sich aus meiner Sicht die Gründe in Einzelfällen verschieben, so dass die Abwägung zu einem anderen Ergebnis führt. So könnte der Hund gesundheitliche Probleme haben, die eine vegane Ernährung unverträglich oder sehr sehr schwierig machen. Sie sind für das Wohl Ihres Hundes direkt verantwortlich sind und er würde in so einem Fall aufgrund Ihrer Entscheidung leiden oder sogar sterben – im Unterschied zu den Nutztieren, auf die Ihre Entscheidung, das Dosenfutter zu kaufen, keine direkte Auswirkung hatte. Hier spricht die Abwägung aus meiner Sicht für das Dosenfutter.

Genauso hat eine Freundin von mir sich entschieden, die sehr überzeugte Tierbefreiungsaktivistin ist und es fürchterlich findet, tote Tiere in Dosen zu kaufen – aber die ihrem schwer kranken Hund, den Sie aus einem Tierheim geholt hatte, trotzdem das Futter geben wollte, das er am besten bei sich behalten konnte, und das waren leider tote Tiere in Dosen. Umgekehrt könnte es sein, dass eine Person Fleisch containert oder anderweitig so bekommen kann, dass sie damit nicht die Nutztierindustrie unterstützt. Das würde die Gründe gegen die Fleischfütterung weniger gewichtig machen oder sogar aufheben, so dass die Abwägung anders ausgehen würde.

Worauf es mir hier vor allem ankommt zu sagen ist: Wenn Sie gegen eine vegane Ernährung von Hunden sind, weil Sie das Wohl von Tieren wichtig nehmen – dann haben Sie wahrscheinlich nicht alle betroffenen Tiere bedacht.

Denn wenn Sie alle bedenken würden, müssten Sie mindestens zugestehen, dass es keine einfache Lösung gibt, sondern Sie vor einem Dilemma stehen und abwägen müssen. Und wenn Sie dem zustimmen, denke ich, müssten Sie auch erkennen, dass die Abwägung zumindest in vielen Fällen zugunsten der veganen Ernähung ausgehen kann.

Ich bin gespannt auf Anmerkungen und Einwände!

29 Gedanken zu „„Vegane Hundeernährung? Die armen Tiere!“

  1. Zweifelsfrei eine sehr gute und ausführliche Begründung für eine vegane Hundeernährung
    Diese Logik lässt sich kaum widerlegen und sie lässt auch bei Unverträglichkeit das notwendige Hintertürchen auf

  2. Der Denkfehler hier ist, im Tierfutter landen die Reste die nicht für den Menschen genutzt werden können, also die die im Müll landen würden wenn wir keine Haustiere damit füttern würden.
    Effektiv stirbt also kein Tier für Hund/Katze, einen Fleischfresser , dessen ganzer Organismus darauf ausgelegt ist, aber artwidrig rein pflanzlich zu ernähren, weil man ihm die eigenen Moralvorstellungen aufzwingen möchte, ist einfach falsch.
    Aber es gibt eine tolle Lösung, wenn man nicht bereit ist die Verantwortung zu tragen, gibt es tolle von Natur aus rein pflanzlich lebende Tierarten, oder man lebt wirklich in allen Bereichen “vegan” und lehnt deswegen auch die Haustierhaltung ab, weil auch sie eine “Nutzung” des Tieres zu eigenen Bedürfnissen ist 😉

    1. Ist das wirklich so eindeutig, dass es “nur” Abfallprodukte sind? Und selbst wenn, dann ist das doch trotzdem eine weitere Wertschöpfung und macht damit die Tierindustrie profitabler, oder nicht?

      Zu der Artwidrigkeit hatte ich ja schon etwas geschrieben, auch das mit “der ganze Organismus ist darauf angelegt” ist zumindest beim Hund zweifelhaft – und wie ich verlinkt hatte, sind gerade die Abfälle aus der Tierindustrie nicht unbedingt gesund für Hunde.

      Was die Haustierhaltung allgemein betrifft: Aus meiner Sicht folgt aus einer konsequenten veganen Haltung, also die eine Ausbeutung und Schädigung von Tieren ablehnt, tatsächlich eine weitgehende Kritik der Haustierhaltung, da das für sehr viele Tiere kein gutes Leben ist. Es gilt aber nicht unbedingt für alle – ein faires Zusammenleben mit Hunden halte ich z.B. für möglich. In jedem Fall folgt aus einer Ablehnung der Haustierhaltung nicht, dass man selber keine Tiere bei sich wohnen hat, denn es gibt ja faktisch gerade sehr viele, die ein besseres Leben verdienen, z.B. im Tierheim. Natürlich sollte man keine Tiere kaufen oder züchten, aber welche bei sich aufzunehmen passt total zu einer Tierrechts- oder Tierbefreiungsposition.

      1. Ich fände es auch besser, wenn man schon einem Hund oder einer Katze ein besseres Leben bieten will, dann lieber aus dem Tierheim holen, oder eben , wenn man die Möglichkeit und den Platz für Nagetiere( also Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster etc) dann diesen einen Platz zur Verfügung stellen Aber man sollte sich vorher wirklich genau erkundigen wieviel Platz diese Tiere brauchen.
        Es gibt mittlerweile auch bei den Tierheimen immer mehr Probleme die Tiere (die eventuell vorher gekauft wurden) aufzunehmen, die andere dort abgeben, weil sie nicht mehr damit zurechtkommen oder sie einfach loswerden wollen…

        1. Das war jetzt eine Ergänzung, keine Gegenposition zu meinem Kommentar, oder? Also ich meinte natürlich auch, dass man Tiere aus dem Tierheim holen sollte, nicht dass das missverständlich war.

    2. Mit der Argumentation, dass kein Tier stirbt, wenn nur Teile von ihm benutzt werden, könnte man sich in jeder Situation aus der Verantwortung reden: Ich esse ja nur das Stückchen Rpcken, dafür stirbt kein Rind. Die Haut wird ja für die Lederindustrie verwendet.
      Das Arfument ist also vollkommener Quatsch. Denn selbst wenn für Hundefutter nur Innereien verwendet würden, wie sollte ein Tier ohne sie leben? Also werden sehr wohl “Nutz”tiere für Hundefutter umgebracht.

  3. Es ist sehr gut geschrieben. Ich selbst habe vor vielen Jahren eine 8-jährige Zwergschnauzerhündin aufgenommen, die mehr tot als lebendig war. Die inneren Organe waren durch Fehlernährung stark geschädigt. Sie hatte nur eine Chance: vegane Nahrung. Sie hat es zunächst widerwillig angenommen. Als sie einigermaßen wiederhergestellt war, gab’s ab und zu Mal einen Becher Yoghurt, aber Ihre Leibspeise war Salatgurke. Da die Organschäden sehr stark waren, konnte sie “nur noch” 6 Jahre glücklich und gesund überstehen. Für diese Rasse waren weitere 3-4 Jahre normal gewesen. Aber durch diese überwiegend vegane Ernährung hat der Hund aber 6 glückliche Jahre erlebt.

  4. Wichtige Gedanken, sehr schön, ich kann dem vollauf zustimmen. In den 90ern sagten wir, “wer Tiere liebt, der hat keine”. So lange allerdings Tierheime nötig sind (und somit wohl die Haustierhaltung für das menschliche Amüsement und Wohlgefühl nicht generell abgeschafft ist), ist das leider nicht umsetzbar. Ich habe eine Katze – für Katzen gilt der Text natürlich gleichermaßen -, sie ist 13 Jahre alt und ich habe wegen des von dir beschriebenen Dilemmas erfolglos versucht, sie vegan zu ernähren und bin dann schlechten Gewissens zurück zum Fleisch-Trockenfutter. Für mich steht aber fest, dass ich nach diesem Tier keinem Tier mehr tierische Produkte füttern werde.

  5. De Denkfehler in dieser Begründung ist – meiner Meinung nach – dass es “reste” von Fleischproduktion gebe. Diese sollte es eben gar nicht geben, und damit kann die logische Folgerung bereits hier beendet werden.
    Dass man als Veganer keine Haustiere halten sollte – stimmt irgendwo natürlich. Denn im Vergleich zum Wolf lebt ein Haushund nicht artgerecht! Die grundsatzfrage ist das “Glücklich-Sein” des Tieres. Die Liebe zum Tier. Ich bezweifle sehr, dass ein kommerzieller Milch-Bauer alle seine Kühe so liebt wie ich meinen Hund… Mein Hund – scheint mir – ist den ganzen Tag glücklich – oder schläft. Ein Schwein im Schweinestall?
    Aber sicher – jeder Mensch darf und muss seine eigene Abwägung in dieser ethischen Grundsatzfrage machen. Unser Hund wird vegan ernährt – und es schmeckt ihm und es geht im super. Er isst auch gerne mal Fleisch – wenn der Zufall es will, dass er das irgendwo kriegt oder in den Ferien echt nichts anderes zu bekommen ist.

  6. Warum dann nicht gleich ein Meerschweinchen halten? Es gibt auch von Natur aus Tiere, die sich vegan ernähren. Einem Karnivoren seine eigenen Moralvorstellungen aufzuzwingen ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung.

  7. Allzu stichhaltig sind die unter vegepets.info aufgeführten Literaturstellen nicht. Die wissenschaftlichen Publikationen handeln vor allem von Problemen mit dem industriellen Futter. Ja, da ist viel Mist auf dem Markt. Und die Aussagen, die sich auf vegane Produkte beziehen, sind keine wissenschaftlichen Studien.
    Interessanter dagegen klingt der Nature-Artikel zur Stärkeverdauung, auch wenn ich mir nur den Abstract durchgelesen habe.
    Die Studien zu Industriefleisch sind aus den USA. Die menschliche Ernährung ist dort alles andere als ordentlich. Es geht bei uns eine große Bandbreite in der Futterqualität. Das sollte differenzierter betrachtet werden. Und nicht zu vergessen sind die ganzen Rollen auf vier Beinen. Ein adipöser Hund ist ein krankes Tier, egal mit welcher Ernährung.
    Ich will damit keine Aussage treffen, ob es möglich ist, Hunde vegan zu ernähren. Aber bis auf die Nature-Quelle liefern für mich die genannten Quellen keine stichhaltigen Beweise, dass es sinnvoll ist. Möglich ist es sicher. Sonst würde ja jeder Hund mit entsprechenden Erkrankungen bei vegetarischer oder veganer Ernährung eingehen, was nicht zutrifft. Aber die Frage ist, was ist die optimale Ernährung für den Hund und welche für die Katze. Auf jeden Fall eine spannende Diskussion. Und vor allem aus meiner Sicht ernährungsphysiologisch noch Forschungsbedarf.

  8. Ich würde nur gern eine kleine Anmerkung machen.
    Tierärzte profitieren ebenfalls von der Haustierhaltung und sind verstrickt in diese Mordindustrie.

  9. Zum Stichwort: Zahlen des Verbrauchs von Fleisch bzw. Zahlen der benötigten Tiere/-reste für industriell gefertigtes Hundefutter stand mal ein hervorragender Artikel (Hochrechnung) im sehr empfehlenswerten Newsletter des Dr. med. Ernst Walter Henrich:

    “…der aktuelle provegane Newsletter ist da: https://www.provegan.info/newsletter
    Die bisher erschienenen Newsletter finden Sie in unserem Newsletter-Archiv: https://www.provegan.info/de/newsletter/archiv/
    Mit den besten veganen Grüssen
    Dr. med. Ernst Walter Henrich”.

    Es waren erschreckende Zahlen! Danach bin ich auch wieder auf vegane Hundeernährung umgestiegen, da mein Hund dieses meist qualitativ sehr hochwertige Futter auch sehr gerne frisst.
    Im Übrigen bin ich sicher, dass er seine sicherlich nicht-artgerechte Haltung bei uns im Haus einer Auswilderung vorziehen würde; er war lange Zeit Streuner und dabei bedrohlich abgemagert…..
    Hunde vom Züchter o.ä. würde ich mir auch nie anschaffen, um das Elend vollgestopfter Tierheime/der Tierschutzstellen nicht zu forcieren.

  10. Vielen Dank, liebe Friederike Schmitz, für diesen hervorragenden – da klug, sachlich, logisch-argumentativ – Artikel. Sie treffen es auf den Punkt, wenn Sie schreiben, wenn man das Leid unserer sog. “Nutztiere” anerkenne und selber Hunde oder Katzen besitze, vor einem Dilemma stehe. So ergeht es mir, die ich (Freigänger-)Katzen halte und diese teilweise mit (Fleisch-) Nassfutter und veganem Trockenfutter füttere. Das reicht mir aber nicht, sodass ich nun nach Alternativen suche, die ethisch vertretbar sind.
    Übrigens kann man Hunde problemlos immerhin vegetarisch füttern, das haben genügend Studien erwiesen.

    Und: Der Verkauf der “Reste”, die bei der Fleischproduktion anfallen, unterstützen diese unsäglichen Betriebe enorm – bekommen diese doch noch Geld für Produkte, die sie ansonsten kostenpflichtig entsorgen müssten. Also sicher kein Denkfehler in Ihrer Argumentation!

  11. Dass ein Hund Stärke aufspalten kann, bedeutet doch nicht, dass er Nährstoffe aus Pflanzen aufnehmen kann. Das bedeutet lediglich, dass er daraus Zucker ins Blut aufnimmt. Ansonsten ist der Hund ein reiner Carnivor. Das verrät auch schon allein seine lateinische Bezeichnung, egal was ein paar Internetseiten schreiben.
    Zudem wurde hier lediglich eine rein ethische Auseinandersetzung geführt. Das mag ja alles gut und schön sein, aber wenn man es ganz genau nimmt, müsste man nach dieser Logik jedes Tier entgegen seiner Natur ernähren können. Was das gebracht hat, haben wir ja gesehen, als Rinder mit Tiermehl gefüttert wurden. Das funktioniert bei Einzelfällen und bei Tieren mit bestimmten Vorerkrankungen, bei denen regelmäßig ein Tierarzt überprüft wie es um den Hund steht. Ein gesundes Tier kann man aber nicht aus rein ethischen Gründen seine freie Entscheidung in diesem Fall abnehmen, weil daraus immer Mängel entstehen. Bewiesen wurde das auch in einer Studie der Veterinäruniversität in München.

    Hinzu kommt auch der lahme Vergleich mit billigem Dosenfutter. Ich barfe meine Tiere, achte stets auf gutes Fleisch aus guter Herkunft und stelle mich täglich selbst hin und zerteile das tote Tier. Die Argumentation, dass Fleischfütternde Hundebesitzer nur Billigfutter aus der Büchse füttern, stimmt nicht! Wer sich wirklich damit auseinandersetzen möchte, sollte sich vielleicht mal mit Mogens Eliasens Artikeln beschäftigen und ein bisschen mehr hinter die Verdauung des Hundes schauen.

    Weiterhin steckt in veganem Hundefutter wesentlich mehr künstlicher Mist, der oftmals noch größeren Schaden anrichtet, da künstliche Vitamine und Co oftmals Allergieauslöser sind. Bitte, lass doch diese Propaganda, wenn du es einfach nicht besser weißt. Das kann auch gewaltig nach hinten losgehen und ist eben nicht nur eine ethische Frage, weil es eben anderes Leben beeinflusst. Wer damit nicht umgehen kann, dass die Natur grausam ist, sollte vielleicht lieber ein Kaninchen halten.

    1. Welche Studie der Veterinäruniversität München meinen Sie?

      Ich glaube, Sie missverstehen hier die Rolle der Ethik. Es gibt nicht „ethische“ Gründe und dann andere Gründe wie biologische oder medizinische, und man kann sich das aussuchen, welche man besser findet. Die ethische Frage ist die Frage: Was sollten wir tun, was ist fair für alle Beteiligten? Natürlich muss man dabei alles biologische und medizinische Wissen mit einbeziehen.

      Sie schreiben: „das ist eben nicht nur eine ethische Frage, weil es eben anderes Leben beeinflusst.“ – das macht für mich gar keinen Sinn, denn genau um unsere Einflüsse auf anderes Leben geht es doch in dem Artikel. Daher die Frage an Sie: Wodurch ist gerechtfertigt, für die Ernährung Ihrer Hunde andere Tiere, die auch gesund und gut leben wollten, leiden zu lassen und zu töten? Sie schreiben von „gutem Fleisch aus guter Herkunft“, was meinen Sie genau? Bio? Wissen Sie, wie elend auch „Bioschweine“ oder „Biorinder“ leben? Sind die freiwillig gestorben? Der Umgang mit diesen Tieren ist auch nicht die Natur, die nunmal grausam wäre oder sowas, sondern das sind Menschen, die diese Tiere ausbeuten, weil sie ihre Körper u.a. an Sie verkaufen können. Das ist keine natürliche Notwendigkeit, sondern Ihre Entscheidung. Und die müssen Sie begründen können – darin liegt doch die ethische Herausforderung.

  12. Warum ich für das Wohl anderer Tiere den Tod von Tieren in Kauf nehme? Weil es nunmal wichtig für ihr Überleben ist. Man kann darüber streiten – klar lass doch den Hund sterben damit die Kuh leben kann. Was ist jetzt ethisch korrekter?! Nichts von beidem. Die Natur kennt keine Ethik. Der Stärkere überlebt. Da ich meine Tiere aber nicht im Wald wildern lasse, kann ich nur für das Futter im Napf sorgen. Einen Auszug der Studie die ich meine gibt es unter folgendem Link.

    http://www.vetmed.uni-muenchen.de/downloads/promotion/ws_98_99/engelhard.txt

    Da ich aber weder auf künstliche zusatzstoffe, noch auf die eigene Fähigkeit Pflanzen zu verdauen vertrauen kann, füttere ich die natürliche Nahrung des Hundes. Meine Quellen beziehen sich vom Bauern auf dem Land, der mir viele Fleischabschnitte, Organe, Blut, Knochen, Fett für einen guten Preis verkauft. Dort hole ich übrigens auch mein eigenes (Shame on me). Warum sollte ich eine vegane Ernährung des Hundes vorziehen, obwohl er davon krank wird? Warum sollte ich Tierleid produzieren, wenn ich auch einen anderen fairen Weg finden kann? Nochmal, nur weil dadurch Tiere sterben, ist es nicht unfair. Nach der Logik dürfte man überhaupt keinen Hund halten. So ist nunmal Natur. Und auf die Aufspaltung von Stärke und den Zusammenhang mit der Aufnahme von Nährstoffen bist du immernoch nicht eingegangen. Vegane Hundenahrung produziert dennoch Tierleid, von daher ist diese Debatte eben kein “Mittelweg” um Tierleid zu verhindern. Nach dieser Logik müsste der Mensch auch alles mit reinen Nahrungsergänzungsmitteln ersetzen können. Dass man davon nur krank werden kann, liegt auf der Hand. Der Mensch kann sich auch nicht ohne die genaue Auseinandersetzung mit der Thematik nicht einfach vegan ernähren, weil durch falsche vegane Ernährung ebenfalls Mängel entstehen. Warum sollte das beim Hund anders sein?

    Viele vegane Hundefutter haben zum Beispiel lediglich Algenkalk als Kalziumausgleich zugefügt. Dieser ist zwar rechnerisch eine Kalziumbombe, aber nahezu unverdaulich. Problem daran ist jedoch, dass diese einseitigen Supplemente die Aufnahme von anderen Metallen wie Kobalt, Mangan, Kupfer, Titan etc. hemmen (nebenbei sind diese Metalle teils gar nicht zugefügt) und sich die negativgeladenen Kalziumionen nicht an die positivgeladenen Ionen anziehen, sondern lediglich die Aufnahme dieser stoppen. Das hat den Hintergrund, dass diese Supplemente einseitige Ionenladungen haben, während im Hinblick auf den Knochen alle möglichen Ladungen von Ionen vorliegen. Dadurch wird die Anziehung für die vorgesehenen Metalle blockiert und der Hund scheidet das Supplement nahezu unverdaut wieder aus. Das mal nur als Beispiel, dass ein Supplement NICHT die natürliche Nahrung ersetzen kann. Die biologische Verfügbarkeit ist hier absolut nicht gegeben und führt über lange Zeit zur Verknöcherung der Gelenke, zu porösen Knochen und Nervenschäden. Ernährung ist eben nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der Chemie und Biologie, und am Ende entscheidet sie über Leben und Tod. Zu jedem Zeitpunkt übrigens. Ich kann verstehen dass gerade Veganer*innen damit einen inneren Konflikt haben, aber es gibt ihnen deshalb noch lange nicht recht, dass man profan alles mit einer Hand voll Zusatzstoffe ersetzen kann.

    1. Aber es ist doch schlicht falsch, dass ein Hund automatisch durch vegane Ernährung krank würde. Ich kenne zig Hunde, die vegan ernährt werden und putzmunter sind. Bei denen, bei denen es nicht funktioniert, liegt die ethische Lage anders, habe ich ja auch im Artikel geschrieben.
      Der „Bauer auf dem Land“ – welche Tiere hält der denn und wie leben die genau? Ich verstehe noch immer nicht, wie du mit „Natur“ das Gefangenhalten und Töten von Tieren für Hundefutter rechtfertigen kannst, das hat mit Natur nichts zu tun, das ist deine Entscheidung. Und die beruht auf der falschen Annahme, dass deine Hunde dadurch leiden würden. Aber wenn das so wäre, und wir zum gesunden Halten von Hunden Schweine quälen und töten müssten, dann sollten wir keine Hunde mehr halten, finde ich absolut logisch. Denn womit hätten die Schweine das verdient?

      1. Wenn du die Studie gelesen hättest, würdest du erkennen dass die Tiere sehr wohl krank dadurch werden. Das habe ich dir auch gerade im Beispiel mit dem Kalziumsupplement erklärt.
        Ja, in deinem letzten Punkt muss ich dir zustimmen, Tiere zu töten um andere zu ernähren ist gegen die Natur, weil sie so nicht normal stattfindet. Nun kann man aber den Hund nicht wildern lassen, und Pflanzen kann er auch nicht verdauen. Was machen wir nun? Das Tier einschläfern, weil er im Laufe seines Lebens für den Tod von einigen Rindern verantwortlich ist (was er in der Natur auch wäre) oder vegan füttern (was einfach mehr Negativpunkte aufweist als es von Veganer*innen propagiert wird) oder sich den Möglichkeiten einer gesunden (mag subjektiv sein, ist es aber in meinen Augen und auch vielfach belegt), rohen fleischigen Ernährung zu widmen. Wenn ich sehe, dass die Tiere die ich füttere (Rind und Huhn und Büffel) gut leben, Auslauf genießen und meine Tiere eben nicht die viel zu magere Lende sondern eher Fleischabschnitte bekommen, die bei der Schlachtung zu minderwertig für den Menschen, jedoch wertvoll für den Hund sind, dass die Tiere bei der Schlachtung eben kein Fließbandmassaker erleben, dann kann ich das mit gutem Gewissen füttern. Andernfalls dürfte ich mir keinen Carnivoren halten. Woher man im Einzelfall sein Futter bezieht, muss jeder für sich selbst entscheiden, das hängt ja auch von Infrastruktur und Erreichbarkeit zusammen. Mir ist es im Prinzip auch egal, ob du oder andere ihre Hunde vegan füttern, ich werde das eh nicht ändern können. Ich kann nur diese Argumentation nicht mehr lesen, die für etwas Werbung macht, was schlichtweg falsch läuft und nicht zuende gedacht wurde. Gerade veganes Futter orientiert sich in der Zusammensetzung an NRC-Werten, die 1. für eine fleischige Ernährung erstellt wurde und 2. oft viel zu oberflächlich betrachtet wird. Ein NRC-Wert ist kein Bedarfswert, und wie ich schon schrieb, gewisse Elemente wie Phosphor, Kalzium, etc. sind in mehreren chemischen Strukturen vorhanden und können nicht künstlich ersetzt werden. Ja die Forschung ist weit, aber eben noch nicht so weit dass man sich nur von Supplementen ernähren kann. Pflanzliche Fette belasten auf Dauer ebenfalls die Nieren, und aus Fett zieht der Hund nahezu komplett seine Energie. Es ist auch ein Trugschluss zu behaupten, man kenne gesunde vegan ernährte Hunde. Erstens ist auch nicht jeder Raucher chronisch krank, was man ihm ansehen könnte, zweitens kann man nicht in den Hund reinschauen, drittens zeigen sich Mangelerscheinungen erst, wenn es zu spät ist und viertens würde (mal hand aufs Herz) kein einziger veganer Hundebesitzer zugeben, dass er das falsche Futter gibt was seinen Hund krank macht. Wenn ich hier Kommentare lese von “Tierschützern”, die aus Bequemlichkeit Trockenfutter an ihre Katzen füttern, obwohl diese Wüstentiere sind und 95% ihrer Flüssigkeit aus der Nahrung ziehen, obwohl sich jede Katze über kurz oder lang futtertechnisch umstellen lässt, zweifle ich ja schon an der Intelligenz einiger. Eine mit Trockenfutter ernährte Katze hat eine 5-6mal höhere Chance, an CNI zu erkranken als eine die mit Feuchtfutter ernährt wird. Aber dass sie Fleisch frisst ist ja viel grausamer. Es tut mir leid, mir fehlt es hier einfach an Differenzierung. Es wird wild eine Behauptung untermauert, die nicht begründet werden kann und findet Anhänger, die genauso wenig reflektieren können, was ihre eigene Fütterung angeht. Aus rein ethischen Gründen lässt sich die Frage der Ernährung nicht beantworten, denn manchmal muss man auch die Dinge tun, die einem persönlich missfallen, wenn sie die Gesundheit anderer Lebewesen beeinflussen. Wenn man den Tod von Leben nicht ertragen kann, sollte man sich einfach keinen Carnivoren halten. Der Hund ist wie auch die Katze ein menschengemachtes “Problem”. Wer daran wirklich etwas ändern möchte, dass Tiere leiden, macht sich tatsächlich im Tierschutz für Kastration stark, nimmt Tierheimtiere auf und unterstützt dahingehend auch Vereine. Beim veganen Futter anzufangen bedeutet das Pferd von hinten aufzuzäumen und bewirkt damit nicht weniger Tierleid.

    2. Ok, was die Verträglichkeit und die diesbezügliche Forschung angeht sind wir einfach verschiedener Meinung. Ich schaue mir die verlinkte Studie nochmal an. Wo ich immer noch insistieren möchte, ist, dass es hier nicht um Werbung oder „persönliches Missfallen“ geht, sondern um eine ethische Abwägung und eben mindestens ein Dilemma – gerade wenn du recht hättest und die vegane Ernähung Hunden schaden würde (was ich wie gesagt nicht glaube), dann ist die Entscheidung nicht leicht, sondern JEDE ENTSCHEIDUNG würde die Gesundheit anderer Lebewesen beeinträchtigen – entweder die des eigenen Hundes oder eben indirekt die der Tiere, die zu Fleisch gemacht wurden – die ja nicht „nur“ krank werden, sondern umgebracht werden. Wenn du das ok findest, ist das deine ethische Haltung, aber du kannst nicht sagen, dass du damit irgendwie objektiver wärst als jemand, der das nicht ok findet, oder dass das letztere nur ein „persönliches Missfallen“ wäre.

  13. Doch, denn wovon würde sich der Hund ernähren, würde ihn keiner aufnehmen, würde ihn keiner füttern? Wovon würde er leben? Er würde jagen. Nicht nur kranke Tiere, sondern Rikken, die ihre Kälber versorgen müssen. Kitze, Hasen, Füchse. Viele Tiere müssten sterben, damit sich dieser Hund ernähren kann. Dieser Fall ist aber in unserer Welt nicht (mehr) so. Der Hund ist ein Haustier.
    Wäre veganes Hundefutter tatsächlich erwiesenermaßen gesund für Hunde, wäre ich die Letzte die sich dagegen wehren würde. Aber dem ist nicht so. Der Hund hat eine viel kürzere Evolution erlebt als der Mensch, er hat einen viel kürzeren Darm als die meisten Pflanzenfresser. Die Fähigkeit Pflanzen zu verdauen fehlt ihm komplett. Also kann man ihn damit auch nicht gesund ernähren. Ich ahne auch warum du mir das nicht glauben willst – es passt nicht in dein Weltbild. Von mir aus soll das so sein, aber du bist auf keine einzige tiefgründigere Frage eingegangen, hast mir kein Argument widerlegen können und wirfst immer mit dem gleichen: meine persönliche Einstellung. Die hat aber mit dem Thema überhaupt nichts zu tun, weil es viel tiefer geht als das was ich gut oder schlecht finde. Ich sehe das insgesamt zwar etwas nüchterner – da geb ich dir Recht. Ich bin aber kein herzloser Mensch, der seinem Tier unwissend Müll in den Schlund wirft und sich damit nicht auseinandersetzt, was ich bei einigen anderen Haltern (egal ob mit oder ohne Fleisch) schon unterstellen würde. Ich habe mich auch mit diesem Thema hier auseinander gesetzt, allerdings kommt jedes mal das gleiche heraus. Es wird emotional diskutiert, nicht sachlich. Und das obwohl man bei der Frage um Leben oder Tod ja immer für das Leben entscheiden möchte. Man möchte es nur ruhigen Gewissens machen, und das kann ich nicht indem ich die Ernährungsphysiologie eines Tieres komplett umdrehe. Sei es der Hund mit Gemüse oder die Kuh mit Fleischmehl. Dazu ein klares Nein. Die falsche Fleischindustrie kann man nicht auf dem Rücken von Lebewesen austragen, die damit nichts zu tun haben.

    1. Ich bin auf die ernährungsphysilogischen Thesen nicht eingegangen, weil ich da keine Fachfrau bin und mich auf das verlasse, was ich bei Tierärzt*innen lese und von befreundeten Hundehalter*innen höre, das spricht ziemlich klar für die Gesundheit der veganen Ernährung, bis auf Ausnahmen, wie gesagt. Deine theoretischen Überlegungen zu den Verdauungsfähigkeiten von Hunden finde ich nicht besonders überzeugend, sofern sie von praktischer Evidenz widerlegt werden. Aber du kannst mir gerne noch wissenschaftliche Literatur dazu nennen, dann schaue ich mir auch das an.
      Meinen eigentlichen Punkt hast du leider noch immer nicht verstanden – dass auch bei Unverträglichkeit veganer Ernährung mindestens ein ethisches Dilemma besteht. Das hat weder was mit meinem Weltbild noch was mit meinen Emotionen zu tun, und ich interessiere mich auch nicht für deine „persönliche Einstellung“. Mir ging es um einen Widerspruch in verbreiteten Positionen zum Wert verschiedener Tiere, auch in deiner. Aber wenn du das als unsachlich empfindest, kann ich es auch nicht ändern. Ich finde deinen letzten Satz jedenfalls geradezu grotesk – und zwar ganz nüchtern gesehen. Du blendest halt die Opfer deiner favorisierten Hundeernährung systematisch aus bzw. schiebst das auf die „Natur“. Ich könnte jetzt sagen, das musst du tun, weil alles andere nicht in dein Weltbild passen würde – aber diese Art von Abwertung einer anderen Position liegt mir nicht so.

    2. Kurz in die verlinkte Studie reingeschaut, finde die Aussagekraft ziemlich gering, das Fazit auch keineswegs eindeutig. Gibt doch einiges an Material dagegen. Aber nochmal, die tatsächliche Verträglichkeit zumal für alle Hunde war gar nicht meine These, sondern das Bestehen eines Dilemmas. Ihr Satz „Ernährung ist eben nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der Chemie und Biologie, und am Ende entscheidet sie über Leben und Tod.“ zeigt nochmal gut das Missverständnis. Ethik ist keine extra-Art von Nachdenken in Konkurrenz zu Naturwissenschaft oder sowas, sondern muss natürlich alle Erkenntnisse daraus voraussetzen und dann überlegen, was richtig, fair, gerecht o.ä. ist. Deshalb mache ich ja immer „wenn-dann“-Sätze. Also „Wenn vegane Ernährung nicht verträglich ist/wäre, hätten wir ein ethisches Dilemma“ – und zwar nicht wir als Veganer, weil wir halt so komisch drauf sind, sondern Sie genauso, auch wenn Sie das nicht so sehen – Ihre Position ist widersprüchlich. (Dazu gehört auch, dass Sie ja offenbar selber Fleisch essen, wobei Sie also Ihr eigenes Geschmackserlebnis über das Leben von Tieren stellen, gleichzeitig aber behaupten, dass Sie das Leben von Tieren wichtig nehmen. Aber das ist ja hier nicht das Thema.)

  14. Ich halte die Position, von Frau Schmitz, von mehreren Denkfehlern gekennzeichnet. Ein Carnivor, der über tausende von Generationen zu einem Fleischesser geworden ist, hat zu dieser Ernährung organisch keine Alternative und wird je nachdem, bei falscher Ernährung Krankheiten diverser Art ausbilden. Vieleicht auch nur schleichende Befindlichkeitsstörungen, die vom Menschen in seinem Projektionswahnsinn, gar nicht entdeckt werden.
    Grotesk wird es dann, wenn man ethisch die falsche Nutztierernährung zur Begründung nimmt. Hier gilt doch der recht profane Grundsatz: “Ein Unrecht macht ein anderes nicht gut”. Ich sehe auch nicht warum eine artgerechte Ernährung eines Carnivors in einen Zwiespalt führen sollte. Denn dieser müßte sodann allgemein gelten. Dann kann man natürlich auch -z.B.- in die afrikanische Savanne blicken oder sonstwo in die Welt wo Carnivoren Beute schlagen und sich darüber bitterlich beklagen. Aber auch als Veganer kann man einsehen daß die Welt eben “Rot an Zähnen und Klauen” ist.

  15. Ich finde Ihren Artikel ziemlich wiedersprüchlich zu Ihrem Buch. In Kapitel 7 berichten Sie etwas von Interessen der Tiere nachgehen und die Freiheit der Tiere.
    Dann schreiben Sie in Ihrem Artikel “So lange das Futter lecker ist und es den Hund gesund hält, ist es nicht so schlimm, wenn die Ernährung nicht artgerecht ist.” oder weiter “Wenn Sie gegen eine vegane Ernährung von Hunden sind, weil Sie das Wohl von Tieren wichtig nehmen – dann haben Sie wahrscheinlich nicht alle betroffenen Tiere bedacht.” Was ist denn mit dem Wohl des Hundes, der von natur aus Carnivor ist?!
    Hier setzten Sie doch eindeutig die eigenen Moralvorstellungen Ihrem Hund vor und gehen nicht seinen Bedürfnissen nach.
    Oder wie ist das alles zu verstehen?

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