Mail einer Biobäuerin

Folgende Mail wurde schP1050981on vor einigen Wochen von einer Biobäuerin aus Süddeutschland an den Verein „Die Tierbefreier e.V.“ geschickt. Ich finde einige Punkte durchaus bedenkenswert und die Themen generell diskussionswürdig, weshalb ich die Mail hier (mit Einverständnis der Autorin) veröffentliche. Im Anschluss sind meine Überlegungen und Kommentare dazu. Die Nummerierung der Absätze ist von mir und soll es erleichtern, sich in der Diskussion auf einzelne Punkte zu beziehen.

Sehr geehrte Damen und Herren von Tierbefreier und Animal Liberation Front […].

1) Ich habe eine Bioland Landwirtschaft im Nebenerwerb mit 18 Kühen und Nachzucht, 50 ha Land. Bei uns arbeiten die Großeltern mit und wir haben zwei Kinder. Wie sind seit längerem Mitglied bei Bioland und somit im zweitgrößten Bioverband Deutschlands. Ich persönlich bin eingeheiratet und bin nicht auf einem Bauerhof großgeworden. Ich habe mich immer im Tierschutz und bei Greenpeace aktiv und passiv beteiligt. Deshalb kann ich die Denkweise jeder Tierschutzorganisation nachempfinden und weiß mittlerweile, wie teuer und schwierig es für den Verbraucher ist, „echte“ faire und tierfreundliche Nahrung zu bekommen. Um die Versicherungen, Renten- und Krankenversicherungen bezahlen zu können, müssen mein Mann und ich beide außerhalb von der Landwirtschaft arbeiten gehen.

2) Es gibt von Bioland zwei Kontrollen im Jahr, eine davon unangekündigt und eine mit einer Woche Vorlauf. Weiterhin kontrolliert das Veterinäramt einmal im Jahr unangekündigt sowie die Molkerei. Das Landwirtschaftsamt kontrolliert nach Losverfahren die Betriebe der Region unangekündigt. Natürlich sind die Vorgaben und Richtlinien von Bioland und demeter die strengsten im Vergleich zu Naturland, EU-Bio und natürlich der konventionellen Landwirtschaft. Wir deutschen Landwirte stehen also ziemlich im Fokus der Nation. Das finde ich auch gut, denn man wird schnell betriebsblind.

3) Was jedoch bei jeder Kontrolle und bei jedem Gespräch mit den Ämtern mehr als deutlich wird, ist folgendes:

a. Die weltweiten Vorgaben unterscheiden sich massiv je nach Ländern erheblich. Ein Bioprodukt aus Südamerika oder Spanien würde hier in Deutschland wahrscheinlich in den konventionellen Bereich gehören. Besonders Obst und Gemüse – vom Tierschutz gar nicht zu sprechen.


b. Selbst Vet
P1050966erinärämter und Landwirtschaftsämter sind dem Bund unterstellt. Der Bund agiert EU-weit und hat somit kaum mehr Einfluss auf Entscheidungen und Gesetze. Diese EU-Vorgaben werden an uns Landwirte gegeben und von den Landwirtschaftsämtern kontrolliert. Passt etwas nicht, werden die Zuschüsse vom Land gestrichen. Das ist für viele kleine Betriebe tödlich.

c. Der Einfluss der Großkonzerne in der EU ist enorm. Monsanto , Bayer, Basf klagen jetzt schon gegen die Regierungen, weil sie „Verluste, die ihnen durch die Eroberung der Europäischen Märkte“ entgangen sind, haben. Einbußen, bzw nicht gemachte Gewinne, weil sie in manche Länder keinen Handel treiben dürfen, werden über Jahre RÜCKWIRKEND eingeklagt. Das schreit zum Himmel.

d. Hierzulande machen Aldi und Lidl den Peis. DAHIN SOLLTEN SICH IHRE PROTESTE RICHTEN !!!!! Dass zwei Familien in Deutschland die ganze Landwirtschaft beherrschen, darf nicht sein. DORT muss man ansetzen. Selbst große Molkereien, wie Zott oder Müller haben keine Chance gegen diese beiden. Aldi und Lidl zahlen den Molkereien seit letztem Monat, seit die Milchquote abgeschafft wurde nur noch 50 % für Milch und Milchprodukte. „Prophylaktisch, weil ja jetzt mehr Milch zu erwarten ist.“

4) LIDL und ALDI und die Discounter sind die wahren Tierschänder !!!! Die nehmen absolut keine Rücksicht auf Tiere, Menschen und Arbeitsplätze. Die wollen Monstertierfabriken, damit sie immer billiger einkaufen können. Sie verkaufen an den Verbraucher jetzt Milch für 55 ct, Butter für 89 ct … Das Kilo Schwein kaufen sie für 1.00 € !!!!

5) Zott kämpft , aber musste den Milchpreis an uns Biobauern um 11 % senken, um die nächsten Monate zu überleben. Wir bekommen nur noch 52 ct für den Liter Milch (wir haben die höchste Qualitätsstufe bei Zott durch unsere tierschonende Fütterung ohne Milchleistungsfütter und ganzjährige Weidehaltung) Andere Biolandwirte bekommen nur 48 ct und die konventionellen liegen bei 34 ct pro Liter (mit 40 ct !!!!! kann man mit ach unP1050976d Krach überleben) monatlich, teilweise wöchentlich und regional wechselnd. Die Tierschutzstandards bleiben die gleichen.

6) Für Landwirte, die ja die Tiere halten, heißt das aber: zuerst Leute entlassen (wen, wenn nur die Familie mitarbeitet? Wo ist da unser Mindestlohn?), dann Tierzahlen erhöhen innerhalb kürzester Zeit oder aufhören. Auf den meisten Höfen liegen aber Schulden, deshalb kann man nicht einfach aufhören. Den Standort kann man auch nicht einfach wechseln, denn das Land ist vergeben, die Gemeinden nehmen sogar Flächen weg, um zu bauen. Ins Ausland kann man auch nicht, da kaufen weltweite Konzerne das Land billigst weg, um Tierfabriken zu bauen. Was bleibt ???

7) Wir müssen bleiben, können uns höchstens in bäuerlichen Gemeinschaften zusammentun und bekommen weit weniger als den Mindestlohn. Sorry, ich bin Biolandwirt, da darf ich so reden. Aber hier im Süddeutschen Raum gibt es schon aufgrund der steilen Hänge und engen Strukturen keine riesigen Betriebe. Aber uns kann man nicht mit dem Norden oder Osten vergleichen, wo tausende Kilometer Flaches, kaum bebautes Land ist. Aber genau davon geht ALDI und LIDL aus. Damit drohen sie denen, die an sie verkaufen. Ob Milch, Fleisch, Eier, Obst oder Gemüse. Sie drohen nicht nur, sie tun es zu billigsten Preisen.

8) Warum richten Sie ihre Proteste nicht an Aldi und Lidl ??? Wiso bekommen die nicht Ihre Proteste ab ? Warum nicht an die Regierungen ??? Die Tierschutzbeauftragte Deutschlands hat ihre Finger doch auch in der EU. Wieso wird da nicht unterstützt wo es nur geht? Aber es ist ja einfacher, ein blutiges Tier zu zeigen und so die Herzen der Leute zu erweichen, als sie drauf hinzuweisen, nicht mehr bei den Discountern zu kaufen, sondern nur noch regional. Ob das dann konventionell oder bio ist, ist egal. Aber regional unterstützt nicht Aldi und Lidl. Und kann andere Preise bieten als die. Und nur so kann ein Landwird ordentlich produzieren.

P10509879) Ich weiß, wie einfach es ist, sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen. Ich bin bei den hiesigen Veganern dabei und war entsetzt, wo sie ihre ach so tollen Produkte kaufen. Sie wissen nicht mal, wo und wie die Sachen produziert werden. Als ich ihnen die Betriebe der Region (Bio und konventionell) nannte, wo man direkt und stadtnah kaufen kann, sind die Hälfte abgesprungen, das Gemüse war ihnen zu teuer und das Saisongemüse zu langweilig !!!! Da musste wieder Tofu her, aber das billige Gentofu aus Südamerika. DAS ist doch mies, und das bei Menschen, die sich Tierschützer nennen und auf faires Essen Wert legen.

10) Mein Angebot, doch mal mitzugehen, sich die Höfe anzusehen, mitzuarbeiten und die Zusammenhänge mitzubekommen, hat KEIN einziger der Gruppe (89 Personen) angenommen. Nicht mal auf den ausschließlich gemüseproduzierenden Betrieben. Deswegen bin ich so skeptisch geworden gegenüber Verbänden, die sich Tierschützer nennen. DAS ist traurig und ich sehe immer öfter, dass selbst bei Tierschützern „Geiz ist geil“ immer mehr gelebt wird. Gerade in der heutigen Zeit, wo fast alle Bauernhöfe offen sind, Einblick geben, Bauernhofpädagogik betrieben wird, usw.

11) Kaum einer weiß, wie empfindlich z.B. ein Huhn ist, dass es z.B. nachts nicht gestört werden darf, oder man sich nicht schnell durch einen Hühnerstall bewegen darf, selbst wenn es Freilandhühner in kleinsten Gruppen sind. Die fallen vor Schreckk einfach tot um! Ein Kind hat bei uns in Hühnerställen und Ausläufen z.B. nichts verloren, die rennen zu schnell und erschrecken die Tiere durch ihre fahrigen Bewegungen.

12) Ich hoffe, Sie nehmen einen Rat einer absoluten Praktikerin an. Bitte informieren sie sich zuerst über Zusammenhänge. Und dann, sollten Sie sich wirklich auf Proteste gegen die Discounter spezialisieren, damit die endlich faire Preise machen.

13) Denn ich sage ihnen, ein Landwirt hat kein Interesse an Tierfabriken, wenn er auch mit 20 Tieren überleben kann. (Wie z.B. in der Schweiz und Norwegen, wo die Regierungen Billigimporte einschränken um so die Landwirtschaft vor dem preislichen Verfall ihrer Produkte oder ihrer Personalkosten zu schützen. Natürlich gibt es dort dann nicht 100 verschiedene Produkte aus aller Welt, aber dafür bleiben Strukturen erhalten.) Diese Tierfabriken werden von Konzernen gebaut, die Angestellte hineinstellen, die kein Interesse an Tieren haben. (Beispiel Straathof) Ein echter Landwirt tut so etwas nicht. Aber die Tiere in solchen Konzernen haben leider nichts von „Befreiungsaktionen“. Ein Masthuhn wird 60 Tage aufgezogen in Ställen mit 20000 Tieren. An wen wollen sie denn zweimonatig 20000 Tiere vermitteln?! Da sollte man lieber vorher solche Monsterfabriken einschränken. Und auch hier sieht man wieder, wie die Geldgier der Discounter zu Tage tritt: „Grillsaison, Sonderangebot… Großpackung Sonderangebot“ da geht ein Kilo Tier für 4 € über die Theke. Und wer fällt drauf rein? Der nichtsdenkende Verbraucher. Der Mensch frisst, schmeißt danach den Rest weg und die Tiere leiden. Warum erlaubt eine Regierung diese „Verramschung“ von Lebensmittel ?! Ich will hier NIEMANDEN angreifen, der sich eine ordentliche Ernährung finanziell nicht LEISTEN kann !!!!

14) TIERSCHUTZ funktioniert NUR über faire Preise und dazu muss man Discounter und Großkonzerne aushebeln. Leider muss man immer mehr erleben: Geld regiert die Welt.

Ich finde diese Mail bedenkenswert, weil ich in mehreren zentralen Punkten zustimme und denke, dass die auch in der veganen Szene nicht ausreichend ernst genommen werden:

I) Die gegenwärtige Landwirtschaft ist geprägt vom kapitalistischen Welthandel und von inländischen Konzern- und Machtstrukturen. Man muss diese Strukturen verstehen und angreifen, um etwas ändern zu können. Was die konkreten Haltungsbedingungen und das Leiden der Tiere angeht, ist es problematisch, dass häufig die Schuld nur einerseits bei den TierhalterInnen und andererseits bei den KonsumentInnen gesehen werden; die Industrialisierung und Intensivierung der Tierhaltung wurde und wird auch von anderen Kräften vorangetrieben.

II) Wir brauchen eine grundsätzlich andere Organisation der Landwirtschaft; sie muss insgesamt ökologisch und regional werden, da alles andere umweltzerstörerisch und auch auf Dauer nicht praktikabel ist. Diese neue Art der Landwirtschaft ist wahrscheinlich in Kleinbetrieben organisiert. Für eine solche Umstrukturierung muss man gegen die Großkonzerne kämpfen.

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III) Es braucht mehr Bezug der Menschen zur Landwirtschaft; wir müssen alle verstehen, dass unser Essen nicht einfach im Regal liegt, sondern hergestellt werden muss, und dass man das auf ganz unterschiedliche Weise tun kann, die auf andere Menschen, Tiere und Umwelt ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Deshalb finde ich auch solidarische Landwirtschaften, Woofen usw. gut; ich habe selbst z.B. letztes Jahr zwei Wochen auf einem bioveganen Gemüsehof mitgearbeitet.

IV) Was den Konsum angeht: Vegan allein reicht nicht. Wer nur auf Tierproduktfreiheit achtet, nimmt Menschenausbeutung, Naturzerstörung (und Wildtiertod) durch industriellen Pflanzenbau, Umweltschädigung durch Transporte etc. pp. in Kauf. Vegan kann ein guter Anfang sein, aber es muss letztlich um mehr gehen: möglichst bio und regional. Das ist häufig deutlich teurer, auch das stimmt, aber abgesehen von den Menschen, die wirklich am Existenzminimum leben, können wir alle uns mehr leisten, als wir manchmal annehmen – es ist meist eine Frage der Prioritätensetzung, denn die meisten haben ja für Elektronikkram, Freizeitspaß und vieles andere durchaus Geld, das sie auch in bessere Lebensmittel stecken könnten.

Ich denke eigentlich, dass die Tierbefreiungsbewegung diese Punkte schon ziemlich gut berücksichtigt – zumindest in der Theorie, denn da ist sie doch auch klar antikapitalistisch ausgerichtet. Praktisch denke ich, dass eine weitere Vernetzung mit den sozialen Bewegungen, die genau die genannten Veränderungen fordern, sinnvoll und nötig wäre.
Viel zu wenig diskutiert werden diese Punkte allerdings in der veganen Szene insgesamt. Sie müssen da mehr eingebracht werden – nicht nur, damit der Konsum der VeganerInnen noch gesamtökologischer wird im Sinne von Punkt IV, sondern vielmehr, damit es nicht beim Konsum bleibt – denn die anderen Punkte lassen sich nur durch soziale Bewegungen, kaum durch Konsum verändern.

Nun meine Kritik an der Darstellung im Brief.

i) Ich habe den Eindruck, dass die Verfasserin die grundsätzliche Kritik an der Tierhaltung, die die Tierbefreiungsbewegung übt, noch nicht erkennt: Es geht uns letztlich nicht darum, dass die Tiere weniger leiden, bevor sie getötet werden, sondern darum, dass sie nicht als Waren und Ressourcen zu unseren Zwecken ausgebeutet werden, was immer eine Missachtung ihrer eigenen Bedürfnisse und Interessen mit sich bringt. Deshalb lehnen wir natürlich auch die Kuhhaltung der Verfasserin der Mail klar ab. Wir sind nicht für „Tierschutz“ im Sinne einer Reform der Ausbeutung, sondern für Tierbefreiung im Sinne eines Ende der Ausbeutung.
Ich verstehe allerdings eigentlich auch nicht, wie die Verfasserin all die gewaltsamen Eingriffe in das Leben der Kühe zugunsten der Milchproduktion sowie das Töten unproduktiver und männlicher Rinder mit „Tierschutz“ in Übereinstimmung bringt – bzw. wie sie das jeden Tag mit ihrem Gewissen vereinbart.

ii) Nun könnte man sagen, selbst wenn wir letztlich für die Abschaffung aller Nutztierhaltung sind, sollten wir uns doch jetzt dafür einsetzen, dass Tiere zumindest besser gehalten werden und weniger leiden. Daher müssten wir z.B. dafür werben, dass Menschen regionales Biofleisch kaufen.
Aus meiner Sicht wäre es natürlich erstrebenswert, wenn Tiere weniger leiden würden als jetzt, auch wenn sie immer noch ausgebeutet und getötet werden. Daraus folgt aber nicht, dass ich Werbung für Biofleisch machen würde. Denn erstens geht es den Tieren häufig gar nicht signifikant besser. Zweitens denke ich, dass wir eine grundlegende gesellschaftliche Diskussion zum Mensch-Tier-Verhältnis brauchen, dass wir unsere Behandlung von Tieren als Waren und Ressourcen grundsätzlich hinterfragen müssen – und genau das wird durch den Biofleisch-Diskurs gerade erschwert. Es gibt so viele Menschen – und ich habe selbst auch mal dazugehört – die sich einbilden, sie würden etwas verbessern, weil sie ab und zu (regionales) Biofleisch kaufen, während sie sonst auch noch normales Fleisch essen und mit politischem Aktivismus gar nichts am Hut haben.
Das ist ein Problem an diesem Lösungsvorschlag. Weitere Punkte sind natürlich, dass die gegenwärtig verzehrte Menge an Tierprodukten unter guten Biobedingungen überhaupt nicht herstellbar wäre; dass die Schlachthöfe dieselben sind; dass die Marktmechanismen dieselben sind, d.h. dass bei einer größeren Nachfrage nach regionalem Biofleisch eben auch dieser Bereich weiter industrialisiert wird, wie es ja in der Bioeier-Produktion schon der Fall ist. Tiere bleiben so oder so Waren und Produktionsmittel, die man möglichst effizient ausbeuten muss, und ihre Bedürfnisse bleiben auf der Strecke.

iii) Faire Preise für Landwirtschaftsprodukte sind natürlich (innerhalb des herrschenden Systems) eine sinnvolle Forderung. Faire Preise für Tierprodukte werden wir uns aber klarerweise nicht auf die Fahnen schreiben, da es solche gar nicht gibt – Preise für Tierprodukte können vielleicht für die Landwirte, aber natürlich nie für die Tiere fair sein, denen in der Nutztierhaltung alles genommen wird – ihre Freiheit, ihre Kinder und immer auch ihr Leben.

iv) Die Kritik an der Praxis, „ein blutiges Tier zu zeigen und so die Herzen der Leute zu erweichen“ verstehe ich nicht, denn natürlich ist das immer mit der Botschaft verbunden, sich gegen die Nutztierhaltung einzusetzen und keine Tierprodukte mehr zu kaufen – weder im Discounter noch beim regionalen Biometzger, denn auch da geht es ja bekanntlich blutig zu.

v) Dass VeganerInnen in vielen Hinsichten genauso drauf sind wie der Rest der Bevölkerung, ist schade, das kann man jetzt aber kaum der Tierbefreiungsbewegung vorwerfen. Wie gesagt, ich finde es richtig und wichtig, die anderen Aspekte wie Kapitalismus, Ökologie und Regionalität einzubeziehen – und die Tierbefreiungsbewegung tut das auch, wenn auch vielleicht nicht genug. Dass die VeganerInnen viele Produkte unreflektiert konsumieren, hat dieselbe Ursache wie die Tatsache, dass die meisten anderen Menschen fast alles unreflektiert konsumieren, was es so zu kaufen gibt. Das muss sich ändern, klar – und dafür braucht es politische Bewegungen. An dieser Stelle würde ich gern nachfragen, inwieweit sich die Verfasserin der Mail eigentlich politisch in diesem Sinne engagiert? Ich habe z.B. nicht den Eindruck, dass Greenpeace sich für eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft einsetzt …
Aus der Tatsache, dass vegan allein nicht reicht, folgt außerdem nicht, dass es nicht sinnvoll wäre, vegan zu leben und dafür einzutreten.

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vi) Die vegane Ernährung ist nämlich verglichen mit der „normalen“ Ernährung deutlich im Vorteil, was Umweltauswirkungen betrifft. Und noch ein Hinweis am Rande: Der Tofu, den VeganerInnen konsumieren, ist zumindest deklariertermaßen gentechnik-frei und meist bio – ganz anders als das Futter für die Tierindustrie – und teilweise schon aus Deutschland. Regionales und saisonales Gemüse ist besser, klar, aber Tofu ist eben besser als Huhn.

vii) Schließlich noch eine Bemerkung zu Absatz 13: Das wissen wir doch alles; tatsächlich sind es in der Masthühnerhaltung typischerweise nur 35-42 Tage je Durchgang. Die Tierbefreiungsbewegung hat auch nicht das Ziel, alle Tiere per Hand aus den Ställen zu befreien, sondern es geht um die gesellschaftliche Befreiung aus Ausbeutung und Unterdrückung. Aber es ist auch wichtig zu sehen, dass jedes einzelne befreite Huhn natürlich etwas von einer solchen Befreiungsaktion hat – sein ganzes Leben.

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